Narrative Selbstfindung

posted by ush on 2008/06/06 09:35

[ Geisteswissenschaften ]

Auf den bevorstehenden Votrag (09.06.2008, 18.00 Uhr) von Alexandra Kofler am IFK zum Thema "Wenn die Liebe zur Geschichte wird... Narrative Identität in Selbsterzählungen" möchte ich gesondert hinweisen.

Reden, Erzählen, Auskunft Geben, Erklären und Rechtfertigen ist ja in der Tat zu einem Geschäft, fast zu einem Zwang geworden. In allen verfügbaren Medien herrscht das Reden und beim Reden die "Selbsterzählung" vor, die auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften die "objektive", "sachbezogene" Rede eingeholt hat. Die Begründung und narrative Ausweitung des eigenen Standpunktes und Werdegangs, das abseits einer kulturalistischen Wende auch als ein verzweifelter Rest des humanistischen Anspruchs der Menschenbildung gesehen werden kann, verflicht sich mit der Argumentation.

Ob dies auch Alexandra Kofler bieten wird, ist nicht gesagt; sie hat sich um die Selbstdarstellungsweisen von Interviewees bemüht:

Wo Lebens- und Beziehungsmuster brüchig werden, nehmen Möglichkeitsspielräume aber auch Gestaltungszwänge zu. Die Frage nach Identität gewinnt angesichts einer zunehmenden Diskontinuität von Lebensverläufen immer stärker an Brisanz. Das Sprechen über uns selbst, das biografische Erzählen, nimmt eine zentrale Rolle ein in der Gestaltung einer zeitübergreifenden Identität: Es verwandelt Zufälle in nachträgliche Notwendigkeiten und verkettet Ereignisse zu narrativen Sinngestalten.

Alexandra Kofler führte eine Reihe von Interviews, in denen Personen von ihren Lebens- und Liebeserfahrungen berichten. In ihrem Vortrag nimmt sie die Selbsterzählung als Praxis der Identitätskonstruktion in den Blick und fragt damit nicht zuletzt nach der (Un-)Möglichkeit, sich biografisch zugleich als veränderbares, wie auch als dauerndes Subjekt zu begreifen.

Die Nähe zum Überthema der 'kakanischen' Emergenzen-Veranstaltungen, Praktiken, Techniken und Implikationen von Selbstrepräsentation und ihre Wechselwirkungen mit verschiedenen Medien, liegt auf der Hand. Was interessiert, ist auch die Verwendung des Begriffs der Selbsterzählung an Stelle von bspw. autobiografischem Erzählen oder einfach Erzählung. Der Überhang des Zusatzes "Selbst-" vor vielen Begriffen deutet auf einen sich im Hintergrund vollziehenden/vollzogen habenden Paradigmenwechsel in Konzepten von Verantwortlichkeit, Autorschaft und Agency hin.


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Einblicke in Editor's Welt. Interessiert an Geisteswissenschaften, staunend über Medien, Tendenz zum Bizzarren, vor allem in der Literatur. Über Anregungen, Kritiken, Kommentare freuen sich Usha Reber (editor@kakanien.ac.at und János Békési (webmaster@kakanien.ac.at).
The workshop Balkan Studies - quo vadis? is held on April 25, 2009.

Venue: HS, Inst. Slawistik, AAKH / Campus
The programme is to be found here, the abstracts are available as Balkan Studies 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, and as pdf.
Ort: HS, IOG, AAKH, Spitalgasse 2, 1090 Wien
Zeit: 2. bis 4. April 2009
Veranstalter: IOG, Kk.rev
Funding: Fritz-Thyssen-Stiftung, Köln

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