Monsterkollektive | Individuen / Part 5

posted by ush on 2008/04/13 14:53

[ In eigener Sache ]

Emilija Mančić (Wien): Das Verhältnis von Individuum und  Nation nach dem Zusammenbruch des europäischen Sozialismus

Der Vortrag setzt sich im Allgemeinen mit einem individualisierten Kulturverständnis sowie mit einer historisch-systematischen Klärung des Kulturbegriffes in Europa auseinander und versucht das komplexe Verhältnis von Individuum und Nation aus dieser Perspektive zu thematisieren.


Emilija Mančić (Wien): The Relationship between the Individual and the Nation after the Collapse of European Socialism

The presentation deals with individualistic cultural understanding as well as a historical-systematic clarification of the cultural meanings in Europe and tries to broach the issue of the complex relationship between the individual and the nation from this perspective.

Der Zusammenbruch des europäischen Sozialismus brachte Strukturveränderungen nicht nur in den damaligen sozialistischen Staaten, sondern auch im vereinigten Europa mit sich, das damit am Beginn einer zweiten Phase stand, die mit einem Wandel von einer Kooperation zu einer tatsächlichen politischen Gemeinschaft verbunden war. Die moderne Form der Vergemeinschaftung - die Nation - bleibt offensichtlich immer noch das historische Vorbild, wenn es um die Konstituierung einer politischen Gemeinschaft geht, auch wenn sie formell einen explizit transnationalen Charakter hat. Diese Konstituierung von Europa verläuft aber parallel mit der Globalisierung, die v.a. weltweite wirtschaftliche Verflechtung bedeutet und schließlich das Prinzip des Territorialstaates untergräbt. All dies hat zur Folge, dass man über einen eventuellen Verlust nationalstaatlicher Souveränität besorgt ist und den einzelnen Nationen eine besondere Rolle im Diskursfeld "Europa" als zu bewahrende Kulturräume zugesprochen wird. Eine Besinnung auf die europäische Kultur als eine Kultur der Vielfalt wird als Antwort auf die Herausforderung einer vermarkteten Weltkultur heraufbeschworen. Damit wird eine Alternative zu Antworten, die im Hinblick auf diese Problematik vom Fundamentalismus und Nationalismus gegeben werden, angeboten.

Die nationale Zugehörigkeit scheint ein langlebiges Modell der gesellschaftlichen Bindungen in Europa darzustellen. Es sollte aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Nation oft mit der politischen Einheit oder dem Staat verwechselt wird. Wenn man der Nation gegenüber kritisch ist, bezieht sich diese Kritik oft auf Nationalismus im Sinne einer Ideologie. Nation und Nationalismus stehen in einem engen historischen Zusammenhang mit dem Individualismus. Laut Dumont ist die Nation ein individuelles soziales Ganzes, das sich aus Menschen zusammensetzt, die sich selbst als Individuen betrachten.

Im Vortrag wird ausgehend von der Genese des europäischen Individualismus und Holismus die Frage nach den kollektiven Individuen bzw. individualisierten Kulturen aufgeworfen. Die Absicht ist, im Sinne einer kulturwissenschaftlichen Herangehensweise die unbewusst entstandenen kulturellen Codes und ihre Implikationen auf die Gegenwart zu explizieren. Dazu wird das Konzept der europäischen Identität, die nicht durch die Homogenität, sondern die Vielfalt der Kulturen geprägt ist (zunächst als eine Vielfalt der Sprachen) ins Visier genommen. So werden unausweichlich das herrschende Konzept der europäischen Literaturen und der Umgang mit ihm, sowie die Identifizierung eines Schriftstellers nach seiner Nationalität zur Diskussion gestellt. Als Einstieg in das Thema wird die Lektüre des Artikels Ich und mein Gepäck von Dubravka Ugrešić empfohlen.


The collapse of the European socialism entailed structural changes not only in the former socialist states, but also in the united Europe, which was the beginning of a second phase which was connected to a change from a cooperation to a real political community. The modern form of collectivization – the nation – apparently still remains the historical paradigm in the formation of a political community, even if it is of an explicitly transnational character. This construction of Europe runs however parallel to globalization, which first of all means a world-wide economic interconnection and ultimately undermines the principle of the territorial state. As a result of this, one is concerned of an eventual loss of nation-state sovereignty, and the individual nations assigned a specific role in the field of discourse "Europe" as a cultural space which is to be maintained.

A reflection on the European culture as a culture of diversity is evoked as an answer to the challenge of a commercialized world culture. For this reason an alternative to answers which are given with regard to this problem of fundamentalism and nationalism is offered.

National membership seems to constitute a long-lasting model of social ties in Europe. It should however be highlighted that the nation is often confused with political unity or the state. If one is critical of the nation, this critique refers to nationalism in the sense of an ideology. Nations and nationalism are historically closely associated with individualism. According to Dumont the nation is an individual social unit, which consists of persons who consider themselves as individuals.

In the presentation, based on the genesis of the European individualism and holism, the question of the collective individuals and respectively, to the individualized cultures is raised. The intention is to explicate according to a cultural-scientific approach the unconsciously developed cultural codes and their implications on the present. Therefore the concept of European identity, which is not shaped by homogeneity, but rather by the diversity of cultures, will be addressed. In this way the prevailing concept of European literature and its exposure to it, as well as the identification of a author by his nationality, will be inescapably mooted. As introduction to this theme, the readings of the article Ich und mein Gepäck (Me and my Luggage) by Dubravka Ugrešić is recommended.


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Einblicke in Editor's Welt. Interessiert an Geisteswissenschaften, staunend über Medien, Tendenz zum Bizzarren, vor allem in der Literatur. Über Anregungen, Kritiken, Kommentare freuen sich Usha Reber (editor@kakanien.ac.at und János Békési (webmaster@kakanien.ac.at).
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Venue: HS, Inst. Slawistik, AAKH / Campus
The programme is to be found here, the abstracts are available as Balkan Studies 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, and as pdf.
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Zeit: 2. bis 4. April 2009
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