Don't Stop Smoking

posted by ush on 2008/01/04 11:18

[ Paralipomena ]

Die Zahl der bekennenden Raucher/innen nimmt immer weiter ab; moralisch in die Ecke gedrängt, wimmelt es plötzlich von "Gelegenheitsraucher/innen", "nur des gesellschaftlichen Anlasses wegen", der ja immer mehr verschwindet. Die neue Moral wird ja nunmehr vom unbedingten und absoluten Imperativ des gesunden Körpers beherrscht, wobei sich der Akzent von außen nach innen verlagert hat.

Die Oberfläche, so weit hat man das schon eingesehen, altert trotz aller chirurgischen, sportlichen und Wellness Aktivitäten lässt eben doch irgendwann an Spannungkraft, Glattheit, Schönheit nach und - altert.

Gerade aber auch für jene, die sich die genannte Pflege des Körpers nicht leisten können, geraten nun unter das Diktat der inneren Pflege, der organischen Reinhaltung und Jugend (während jede Droge, auch der Tabak, immer mehr zum Privileg jener, die an der Oberfläche mittels Finanzkraft arbeiten können, wird).

Tabak, genauer: die Zigarette, ist unter vollem Beschuss, als Ursache aller möglicher häßlicher, meist langsamer Todesursachen, die daher vor allem Kosten verursachen, vom viel beschworenen Lungenkrebs über Herzinfarkte bis hin zur Impotenz, die natürlich auch behandelt sein will. Wer steht schon gerne als Schlappschwanz da? Darüber hinaus lässt sie die Haut altern, hintertreibt also die etwaige Behandlung der Oberfläche sowieso.

Bislang - die Zigarette und das Rauchen sind ja irgendwie auch ein zentraleuropäisches Kulturgut - imponiert mir, bekennder Raucherin im Übrigen, der Wiener Umgang mit den neuen Nichtrauchergesetzen im Gastgewerbe. Immer wieder lässt sich beobachten, dass inmitten eines Raums ein, zwei Tische mehr oder minder wahllos mit einem Nichtraucherschild versehen werden, womit der Sache erstmal Genüge getan wurde. Was im Übrigen absolut kein Problem für die Klientel darstellt; überzeugte Nichtraucher/innen nutzen andere Gaststätten.

Flapsig gesagt, dreht sich die neue Moral um einen Organozentrismus, um einen Kult der körperlichen, gesundheitlichen, hygienischen Verantwortung vor dem Staat, dessen Leben und zwar gesundheitlich einwandfreies und unauffälliges Leben IHM gehört.

Den kulturellen Aspekt des Rauchens hingegen kehrt Friedrich Kittler in einem lesenswerten Interview heraus.

 

Zigarettenrauch


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The workshop Balkan Studies - quo vadis? is held on April 25, 2009.

Venue: HS, Inst. Slawistik, AAKH / Campus
The programme is to be found here, the abstracts are available as Balkan Studies 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, and as pdf.
Ort: HS, IOG, AAKH, Spitalgasse 2, 1090 Wien
Zeit: 2. bis 4. April 2009
Veranstalter: IOG, Kk.rev
Funding: Fritz-Thyssen-Stiftung, Köln

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