Europa | Europe - Part 12

posted by usha on 2005/12/18 09:21

[ Europa | Europe ]

Warum eigentlich kommt man nicht ohne Klischeebilder aus? Seit einer Weile verfolge ich sporadisch das geisterhafte Auftauchen Habsburgs in politischen Stellungnahmen zur EU-Bildung.

Selbst an einem Forschungsprojekt zur Habsburgermonarchie beteiligt, konnte ich ja die österreichische Wiederbegeisterung für ein scheinbar multikulturelles Projekt durchaus verstehen, selbst vor dem Hintergrund seines Scheiterns. Warum nicht die eigene Vergangenheit partiell für eine glorreiche Zukunft mobilisieren? Ein Mechanismus, der so alt ist wie das römische Reich...

Verwundert nehme ich allerdings zur Kenntnis, dass Habsburg bereitwillig im deutschen Presseorgan Die Zeit aufgenommen wird und als gehässiger Wiedergänger Urstände feiert.

Die aufgenommenen EU-Beitrittsverhandlungen mit Kroatien werden im Blog, aber auch in Artikeln wie diesem als eine Art von Provinzenverwaltung durch Österreich dargestellt.

Die Rückbindung an habsburgische Vorlieben oder ein habsburgisches (multikulturelles) Prinzip ist erstens geografisch nicht konsequent und ist zweitens komplett einseitig. Die Parallele geht nur dadurch auf, dass zwar als "Habsburger" Österreicher, Ungarn, Slowaken, Slowenen, (Tschechen) genannt werden, die anderen EU-Länder, die sowohl gegenüber dem Beitritt der Türkei als auch Kroatiens skeptisch waren, wie bspw. Frankreich, nur als "manche EU-Mitglieder" auftauchen.

Die Angst um Einfluss- und Machtbereiche innerhalb der EU führt dazu, dass "Habsburg" zum Schimpfwort und Revenant wird. Persönlich halte ich es eher für einen Zombie, der von außen instrumentalisiert ein Schein-Unwesen treibt.


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