Bosnien | Bosnia - Part 20

posted by nedad on 2005/10/30 21:33

[ Bosnien | Bosnia ]

Am 22. und 23. Oktober fand in Wien eine Kulturveranstaltung statt, die Ivan Frano Jukić, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten in der bosnischen Geschichte, gewidmet war.
Ivan Frano Jukić (Banja Luka 1818 - Wien 1857) war einer der prominentesten Franziskaner in der Geschichte der Franziskanerprovinz Bosna Srebrena (Bosna Argentina). Er war als Aufklärer, Schriftsteller, Tribun und politische Persönlichkeit tätig. Ivan Frano Jukić gilt als erster Intellektueller in Bosnien überhaupt, manche halten ihn sogar als ersten Vertreter der Moderne in Bosnien. Wegen seines politischen Engagements wurde er vom damaligen türkischen Statthalter in Bosnien Omer-Pascha Latas aus dem Land vertrieben. Der direkte Anlass war die Publikation von Jukićs Buch in Zagreb unter dem Titel Zemljopis i poviestnica Bosne od Slavoljuba Bošnjaka: u Zagrebu, berzotiskom narodne tiskarnice dra Ljudevita Gaja 1851. s Nadostavkom (Landeskunde und Geschichte Bosniens von Slavoljub dem Bosniaken: im Schnelldruck der Volksdruckerei von Dr. Ljudevit Gaj im Jahre 1851 zu Zagreb mit einem Anhang).

Vielleicht der wichtigste, aber auch umstrittenste Teil dieses Buchs war sein Anhang mit dem Titel Velje i molbe kristjanah u Bosni i Hercegovini, koje ponizno prikazuju Njegovom Carskom Veličanstvu sretnovladajućem Sultanu Abdul-Medžidu (Wünsche und Bitten der bosnischen Christen, Seiner Kaiserlichen Hoheit, dem selig regierenden Sultan Abdul-Mejid, demütig vorgelegt). Die Bedeutung dieser Wünsche und Bitten liegt nicht nur in einer treuen Darstellung damaliger Verhältnisse unter den Christen im türkischen Bosnien, sondern vor allem darin, dass die 28 Wünsche und Bitten Jukićs eigentlich der Embryo einer ersten bürgerlichen Verfassung in der bosnischen Geschichte darstellen.

Dass Jukić sein Buch ausschließlich in Zagreb, und zwar in der Druckerei von Ljudevit Gaj, publizierte, geschah nicht zufällig. Führende bosnische Franziskaner damaliger Zeit unterstützten die illyrische Bewegung in Kroatien und suchten somit einen, zwar sehr schwachen, Anschluss des damals türkisch regierenden Bosnien an zeitgenössische liberale Bewegungen in Europa.

Nach seiner Vertreibung aus Bosnien im Jahre 1852 wurde über ihn ein Rückkehrverbot verhängt. Er weilte zuerst in Kroatien, dann kam er nach Wien, wo er nach einer Operation 1857 im Alter von 39 Jahren verstarb. Ivan Frano Jukić wurde in ein Massengrab am Wiener St. Marxer Friedhof beigesetzt.

Gerade an diesem Friedhof besuchten bosnische Franziskaner am 22. Oktober Jukićs Grab. Am selben Tag wurde in Organisation der Franziskanerprovinz Bosna Srebrena und der Wiener Franziskanerprovinz eine Gedenktafel im Franziskanerkloster am Franziskanerplatz in der Wiener Innenstadt enthüllt, in dem sich Jukić unmittelbar vor seinem Tod aufhielt.

Ausführlicher über diese Veranstaltung können Sie auf den Websiten der Bischofskonferenz Bosnien-Herzegowinas und der Franziskanerprovinz Bosna Srebrena lesen.

Über Ivan Frano Jukić hat besonders der bosnische Schriftsteller und Publizist Ivan Lovrenović geschrieben.


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