Die Arbeitswelt im Wandel - Part 9

posted by usha on 2005/09/10 09:45

[ Die Arbeitswelt im Wandel ]

Die Sammlung von Überschriften aus "Der Standard", Abteilung "Karriere" bzw. "Die Standard" zur Jobsituation, die ich vorstellen möchte, ist im Grunde eine Anti-Maßnahme, weil es den Anschein weckt, als läse ich nur die Überschriften. Stimmt nicht, aber: manchmal ist das völlig ausreichend.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, v.a. zur "großen Schwester Deutschland" mogelte sich Österreich ja lange so durch und man konnte den Eindruck gewinnen, dass es da eine Menge Jobs zu holen und Geld zu verdienen gäbe (die Deutschen nehmen ja, es sei daran erinnert, als Hartz IV-Flüchtlinge den Eingeborenen selbige/s weg; ich fühl mich schuldig).

Nach und nach bröckelt dies, und die Lektüre des heutigen online-"Standards" versammelt Überschriften wie:

  1. "Es wird kälter" mit einer Stellungnahme zu weiteren Einsparungsmaßnahmen im Personalbereich;
  2. "Urlaub verboten" zum wohlbekannten Phänomen des Urlaubs- und v.a. Krankheitsverbots als Kündigungsgrund;
  3. "Angst & Paranoia" gegen die "gesunde Abhärtungstheorie"; etc.pp.
Verursachen tun alle diese Maßnahmen eine ständige Zunahme von Angst & Paranoia, von psychosomatischen Erkrankungen u.v.a. Jede/r weiß das, und dennoch ist kein Ende der zynischen "Verschlankungs-" und Rationalisierungswelle in Sicht.

Das Vorantreiben eines ungesunden Macchiavelismus ist auch in vordergründig positiven Entwicklungen, die auch als Mut machende und positive Meldung gedacht sind, zu bemerken. Im Artikel "Fremd ohne Frust" schildert Jan-Martin Wiarda als erfolgreiches Gegenmodell das kanadische Schulsystem gegenüber den europäischen. Die Schulmodelle, die hier die Kinder an vorderste Stelle setzen, funktionieren zu deren Erfahrung, "fremd ohne Frust" sein zu können, nur auf Grundlage einer vollkommen machtbasierten Pädagogik- und Enthusiasmusmaschine, die sich über deren Betreiber- und Teilhaber/innen hinweg setzt:

Zumindest aber ist es die kanadische Version von Fördern und Fordern; ein Enthusiasmus, dem sich Lehrer schon aus karrieretechnischen Gründen kaum entziehen können. »Wenn ein Kollege unsere Erwartungen trotz Anti-Burn-out-Kurs auf Dauer nicht erfüllt, lasse ich ihn gehen«, sagt Bill Hogarth, der Direktor der Schulbehörde im York-Distrikt. Ja, man könne auch feuern dazu sagen. Den Schulleitern komme eine entscheidende Rolle zu, ergänzt Judy Anderson, die für die Lehrpläne im Distrikt zuständig ist. »Wenn die andere nicht mitziehen können, ändert sich gar nichts.«
Man könnte nicht nur, man kann "feuern" dazu sagen. Sind die Kinder als die viel beschworene Zukunft nicht wichtiger als die Lehrer/innen und ist von daher die Pädagogikmaschine nicht begründet? Aufgabe für Ethik-Experten. Eine normale Situation, denn Macht umgibt sich v.a. in Arbeitssituationen immer und erfolgreich mit machtbasierter Ethik und Moral.

Gibt es Auswege aus der Situation? Nicht, solange die Illusion der totalen Verflechtung von Privatleben mit Beruf und Job vor dem Hintergrund der Macht(Positions)paranoia funktioniert. Dieses Netz lässt keinen Raum, um beim Durchbrechen nicht gleich wieder in es hinein zu fallen.


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