Paralipomena - Part 10

posted by usha on 2005/08/23 09:59

[ Paralipomena ]

Kürzlich erwähnte ich die fatale Neigung, "den Balkan" als angenehm rückständiges Reservat einer zwar u.U. härteren, aber auch angenehmeren menschlichen Kultur zu betrachten. Jetzt muss ich - natürlich - feststellen, dass ich selbst nicht frei davon bin.

Am vergangenen Wochenende gehörte ich zu der ungeheuren Menge an Deutschen, Österreicher/innen, Französ/innen, Italienere/innen, die für einen Kurzurlaub an die slowenische Küste fuhren. Einquartiert hatte ich mich in Portorož im Hotel Riviera. Wahrscheinlich, weil ich zu den Idioten gehörte, die erst 2 Tage vor Abreise buchten, traf mich die im Vergleich zu meinem letzten Aufenthalt dort vor 3 Jahren hunderfünzigprozentige Preissteigerung überaus schmerzhaft. Doch was tun, wenn man nicht im Auto schlafen will? Genau: bezahlen.

Grund für die neuen Hotelpreise, die im Vergleich alle italienischen und kanadischen (nur nicht die britischen), die ich bislang zahlte, sprengte, war eine "grundlegende Überarbeitung" des dortigen Angebots. Auch in Portorož lautet das Zauberwort für Touristen nun "Wellness", das in Form von Swimmingpool, Massage, Wassergymnastik etc. die Hotellandschaft beherrscht. Da zufällig so gut wie alle Hotels derselben Kette angehören, ist dem neuen Trend nicht zu entkommen. Dafür aber, und das traf mich besonders hart, war der zum Schwimmen verfügbare Bereich in der Meeresbucht streng abgegrenzt – wohl, um den regen Yachtverkehr nicht zu stören. Es lohnte kaum, zum Suhlen und Kraulen im Wasser anzusetzen. Wahrscheinlich möchte der/die Wellness-Touristin ohnehin nur den Sandstrand für die obligatorische Bräune nutzen, sich aber nur in hundertprozentiges Chlorwasser für das bisschen Bewegung begeben, für die nun ja auch ein/e Animateur/in zur Verfügung steht, denn Entertainment gehört dazu.

So gehört auch dazu, dass die den Strand säumenden Bars und Cafés unentwegt die Beschallung der Strangänger/innen mit den "Sommerhits" der vergangenen 5-10 Jahre vornehmen, wobei mit sich neigendem Tag auch die Lautstärke steigt. Damit es nicht so auffällt, dass man es doch nicht bis Ibiza geschafft hat, ist Nighttime Partytime, und von Volksmusik über den obligatorischen Pop und Turbofolk bis zum HipHop tönt und wummert es allüberall bis in die frühen Morgenstunden.

So wurde also auch vehemte Nostalgie nach den "Sommern wie früher" bei mir geschaffen, nach dem Reiz eines weniger gepflegten Hotels und einer ruhigeren Nacht, nach angemessenen Preisen und Indolenz der Anbieter/innen gegenüber Dingen wie "Wellness", die sich schlicht in der superben Küche, dem wohlschmeckenden landesüblichen Wein, der Zigarette dazu und einem gelegentlichen unbehinderten Sprung ins Meer und einer Vespa- oder Radtour über die Hügel erschöpft. Was immer noch alles ohne Weiteres möglich ist, denn der Reiz der Landschaft und die Güte des Essens hält sich, und zum Schwimmen anstatt von Planschen empfehlen sich umliegende Küstenstreifen.


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