Die Arbeitswelt im Wandel - Part 6

posted by usha on 2005/06/23 09:43

[ Die Arbeitswelt im Wandel ]

Die weitergehende Debatte um die "Arbeitswelt im Wandel" wird unter den Stichworten des "Prekariats" und der "immateriellen Arbeit" v.a. vor dem Hintergrund der Schriften von Antonio Negri und Maurizio Lazzarato geführt.

So auch im Falle der hier schon öfter verlinkten und zitierten Abteilung "Precariat" bei Republicart. Die Database an Essays und Polemiken erweitert sich ständig. An den Titeln, welche die obigen Stichworte immer öfter enthalten, lässt sich der Trend ablesen.

Mit Negri und Lazzarato kommt implizit auch Gilles Deleuze wieder ins Spiel, dessen "Nomadismus" in Verbindung mit dem Ornament und der Kreativität (wohingegegen die Arbeit dem Staatsapparat zugeordnet wird; wohlgemerkt: klare Trennlinien gibt es nicht und Mischformen bilden die Regel!) diese Denker stark beeinflusst hat, wie ein Essay Negris (1992) bezeugt.

Die Reflexion über die Arbeit erhält unter dem Einfluss von Deleuze und in Hinsicht auf die "immaterielle Arbeit" einen 'intellektualisitschen' Anstrich; d.h. sie stellt den/die Intellektuelle und den/die Künstler/in in den Vordergrund, auch wenn lt. der Rezension des Bandes von Negri und Lazzarato, "Umherschweifende Produzenten -- Immaterielle Arbeit und Subversion --" (1998)

'[i]mmaterielle Arbeit' für Lazzarato an der Schnittstelle eines neuen Verhältnisses von Produktion und Konsumtion [steht]; dieser neu entwickelten Arbeit falle die Aufgabe zu, Formen und Modalitäten der Kommunikation ständig neu zu schaffen, somit auch das Produzieren und Konsumieren zu verändern[,]
womit sie alle arbeitenden Menschen beträfe. Dass dies in gewissem Ausmaß so ist, bezeugen Einträge der Online-Zeitschrift Psychotherapie, die sich mit den häufigen Folgen intellektuellen Anspruchs und verdeckter Kompetitivität im Job beschäftigt. Die größtenteils 5 Jahre alten Artikel wirken etwas veraltet in der Fokussierung auf den "Single-Lifestyle" und das "Utopia der New Economy", grundsätzlich dürfen die getroffenen Analysen aber immer noch als zutreffend gelten.

Es kann nicht verwundern, dass die "immaterielle Arbeit" Widerstände erregte und verdächtigt wurde, einer postmodernen Totalkapitalisierung zuzuarbeiten, wie es der Negri und Lazzarato-Übersetzer und Herausgeber Thomas Atzert in einem Artikel auf "Labournet" darstellt. Doch auch die "immaterielle Arbeit" unterliegt hegemonialen und Ausbeutungsstrategien. Auch sie wird der Kapitalisierung unterworfen. Als verbliebenes utopistisches Merkmal bleibt:

[D]ie Bedeutung, ja Hegemonie immaterieller Arbeit jedoch ist Ergebnis von sozialen Kämpfen, und hier artikulieren sich Formen der Subjektivität und Gesellschaftlichkeit, die auf "Potentiale konstituierender Macht" verweisen, Bedingung der sozialen Emanzipation und freien Assoziation.
Hans-Jörg Bullinger spricht von "individualisierten Gütern", die der Massenproduktion entgegenstehen und von der gleichberechtigten Erfolgschance von großen und Einzelpersonenunternehmen. Die Belastungen, dadurch dass "immaterielle Komponenten und Werte, wie Informationen, Emotionen, Beziehungen und Dienstleistungen einen zunehmenden Anteil an der Wertschöpfung erlangen werden", sind jedoch für die Einzelunternehmer/innen ungleich größer. Bullinger fordert so, im Arbeitsschutz der individuellen physischen und psychischen Gesundheit Rechnung zu tragen. Die aber wird wohl kaum - und hier endet die Utopie - durch den Sozialabbau und "Reformen" des Gesundheitswesen zu Ungunsten der Individuen gewährleistet.


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