Bosnien | Bosnia - Part 34 (Wahlen 2006)

posted by nedad on 2006/09/29 20:47

[ Bosnien | Bosnia ]

Wie weit ist Bosnien, fast elf Jahre nach dem Kriegsende, von einem wahren und nachhaltigen Frieden entfernt? Das ist eine Frage, die unzählige einheimische und ausländische Journalisten in den letzten gut zehn Jahren zu beantworten versuchten. Gerade zwei Tage vor den Wahlen hat sich das Magazin Time dieses Themas wieder angenommen...
In einem längeren Beitrag unter dem Titel "Can Bosnia's Peace Survive?" ("Kann der Friede in Bosnien überleben?") wendet sich der Autor Andrew Purvis solchen politischen Phänomenen wie dem aktuellen Premierminister der Republika Srpska Milorad Dodik zu. Während er bis vor kurzem für moderaten und kooperationsbereiten serbischen Politiker galt, haben seine Aussagen in den letzten Monaten vor den Wahlen oft die schlimmsten Parolen der serbischen Nationalisten aus den 90er Jahren übertroffen. Zuerst hat er mit einem Referendum gedroht, falls das offizielle Sarajevo, und da dachte Dodik vorwiegend an bosniskische Politiker, nicht aufhören, die Republika Srpska und bosnische Serben "als minderwertig" in Bosnien-Herzegowina zu betrachten. Die Referendumsankündigung hat für ungemein viel Wirbel gesorgt, sogar der Hohe Repräsentant Schwarz-Schilling hat Dodik mehrmals wegen seiner nationalistischen Aussagen ermahnt.

Auf der anderen Seite wird Haris Silajdzic mit seiner "Partei für Bosnien-Herzegowina" unter den Bosniaken immer stärker. Seine Parolen haben ein genauso starkes Echo in Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska, wie Dodiks Rethorik in Sarajevo. Silajdzic war einer der bittersten Gegner der kürzlich gescheiterten Verfassungsreformen. Er appelliert an die Errichtung eines "bürgerlichen" Staates, was in Banja Luka als klare Drohung gegen die Serben und die Republika Srpska aufgenommen wird.

So ist der bosnische Wahlkampf verlaufen, in gegenseitigen Beschuldigungen der mehrheitlich bosniakischen Parteien für das Scheitern der Verfassungsreformen und in der gegenseitigen Homogenisierung der drei Ethnien. Die Politiker in Bosnien spielen abermals mit der Angst der einfachen Bevölkerung. Es scheint, dass sich Bosnien aus dem politischen Teufelskreis des Nationalismus nicht so leicht befreien kann. Während die meiste Bevölkerung sich ein friedliches Miteinander immer noch vorstellen kann, werden viele durch eben solche politischen Parolen eingeschüchtert und entscheiden sich beim Urnengang doch für jemanden, der "am lautesten" gegen die anderen Ethnien im politischen Kampfring auftritt. Die Angst ist das dominierende Gefühl im Nachkriegsbosnien und bosnische Politiker habe inzwischen gelernt, mit dieser Angst gut umzugehen und sie für den Machtverbleib oder die Machtergreifung auszunutzen. So wissen es jetzt auch Dodik und Silajdzic, die zwei aussichtsreichsten Sieger der bosnischen Wahlen.


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