Bildung | Education - Part 16

posted by usha on 2006/09/29 11:00

[ Bildung | Education ]

Es nicht komplett überraschend, welche Probleme das rumänische Universitäts- und Bildungssystem hat. Einige davon beschäftigen auch "die westlichen" Universitäten.

Ein Hauptproblem des gesamten akademischen Systems ist die Vergrößerung eines recht hoffnungslosen "akademischen Proletariats", das über unterbezahlte und wenig prestigeträchtige Jobs nicht hinaus kommt. Auch in den westlichen Ländern hat dies häufig herzlich wenig mit der Originalität, Kreativität und der Länge der Publikationsliste in anerkannten Organen zu tun, sondern - wie in Rumänien - mit der heimlichen Karrieresteuerung durch Netzwerke und der schlichten Überproduktion von Akademiker/innen.

Der oben verlinkte Artikel hält die Waagschale fast eben im rumänischen Streit um die Ursachen der schlechten (Aus)BIldung an rumänischen Universitäten. Auf der einen Seite wird national gedacht und das bestehende Netzwerks- und Laissez-faire-System als einzigartig und gut funktionierend verteidigt. Der schwarze Peter wird dabei den jungen Akademiker/innen zugeschoben, die ihr eigenes Land verlassen haben, um ihren Abschluss im Ausland zu erwerben, die dann zurückkehren, nach Reformen verlangen, um überleben zu können. Viel Ressentiment ist da im Spiel, die Jungwissenschaftler/innen werden fast zu nationalen Verrätern abgestempelt, die eine fremde, westlich geprägte Hegemonie in die gute alte Welt tragen wollen.

Es mag sein, dass die jungen Akademiker/innen sich überschätzen, und hin und wieder kommt es überall vor, dass sehr kreative und innovative Denker/innen kein Universitätsdiplom vorweisen können, dennoch aber ihre Jobs besser machen als viele Diplomierte. Das sind jedoch Individualfälle, und im Grunde sollte es entsprechend kreativen Professor/innen, die bereits Tenure innehaben, nicht allzu schwer fallen, hin und wieder auch in global anerkannten Zeitschriften und Anthologien zu veröffentlichen oder ein dem PhD bzw. der Dissertation gleichwertiges Produkt nachzureichen, um ihren Posten zu rechtfertigen. Dabei muss es sich nicht um ein 300-seitiges Buch handeln; eine gute Dissertation kann sich auch auf 150 Seiten beweisen.

Wenn dies aber strikt abgelehnt und als bürokratische Schikane, die im eigenen Land "wesensfremd" sei, abgelehnt wird, produziert dies nicht nur extreme globale und nationale symbolische und ökonomische Ungerechtigkeit, sondern legt auch den Verdacht von Ressentiment und Unfähigkeit nahe. Im Fall von Bildung, die strukturell und inhaltlich nicht nur von Regionalität und Nationalität lebt, sondern einen allgemeinen Auftrag eingeschrieben hat, führt kein Weg an der Herstellung eines nachvollziehbaren Bewertungssystems vorbei. Die Frage von Macht und Hegemonie ist auf beiden Seiten der Argumentation federführend und nicht loszuwerden. Auch wenn in jedem System Raum für Ausnahmen und individuelle Besonderheiten sein sollte.


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