Sind Weblogs Monster? | Are Weblogs Monsters? - Part 15

posted by usha on 2005/10/13 11:07

[ Sind Weblogs Monster? | Are Weblogs Monsters? ]

Auch Weblogs sind kein geeignetes Instrument, um zu einer geschlechtlichen Indifferenz zurückzufinden (wenn es um ein "zurück" überhaupt geht).

Das wird spätestens bei der Lektüre von Susan Herrings Forschungen klar. Ein Forschungsbericht der Linguistin wurde von Genderblog verlinkt.

Sie beobachtet v.a. unterschiedliche Kommunikationsstrukturen von Männern und Frauen auf Listen und in Blogs. Was zu befürchten war, wird von Herrings Untersuchung bestätigt: Während Männer Diskussionen an sich reißen und mit Strategien der überlegenen Distanz arbeiten sowie direkt Konfrontation und Aggression einsetzen, bleiben Frauen höflich, stellen Fragen und legen verdeckte Antworten nahe. So kommt Herring bei der Auswertung zum Ergebnis, dass Männer adversativ und aggressiv posten, Frauen-Postings dagegen von "supportiveness" gekennzeichnet sind.

Hallelujah. Die weibliche Verantwortung für die "Netiquette" - als Kommunikationsethik - im Gegensatz zum männlichen Freiheitsdrang der Sprache (die gleichfalls auf "Jagd" geht) hält die bürgerlichen Geschlechterrollen aufrecht. Natürlich merkt Susan Herring an, dass sie Ausnahmen kennt, wie wir alle, auch ich, solche wissen, doch werden sie eben implizit zu "Ausnahmen" erklärt. Der sprachliche/linguistische Stil einer Kommunikation im Blog und auf Diskussionslisten lässt selbst das Verstecken unter dem "falschen" Geschlecht auffliegen. Eine neue Rückbindung von Gender an Sex.

Die Frage bleibt: Was ist mit dieser Gesellschaft los, dass sie unbedingt an den bürgerlichen Geschlechterrollen festhalten muss, die zum unhintergehbaren Tabu erklärt werden?


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