Die Arbeitswelt im Wandel - Part 7

posted by usha on 2005/06/24 11:02

[ Die Arbeitswelt im Wandel ]

Die gestrigen Überlegungen zur "immateriellen Arbeit" werden heute um eine Gender bzw. feministische Perspektive ergänzt.

Carola Möller schreibt, wiederum auf Labour.Net, dass der neuen Situation von "immaterieller Arbeit" positive Seiten abzugewinnen wären.

Wir alle hier haben gelernt, in elaborierter Weise mit Informationen, Sprache und Symbolen umzugehen. Wir leben in einem Land [Deutschland], wo Kreativität, innovatives Denken, eigenverantwortliches Handeln, Wissen und Lernen bei denen, die von früh an in diese Richtung motiviert wurden, gefördert werden. Bleibt uns allerdings die Suche danach, wie wir diese Möglichkeiten - und es gibt eine Menge neuer Möglichkeiten - in unserem Interesse nutzen können und wer die Mitstreiterinnen sind.
Zunächst möchte ich wirklich anzweifeln, ob "wir alle" gelernt haben, analytisch mit Symbolen, Information und Sprache umzugehen und sie kreativ einzusetzen. Hier tut sich das Problem - danach wird es ja gleich eingestanden - der Fokussierung auf den/die Intellektuelle auf, die mit der Immaterialisierung von Arbeit einhergeht. Wichtiger aber ist, dass Möller anschließend von den "Mitstreiterinnen" spricht und somit eine gender-sensitive Sichtweise andeutet.

Die aber beinhaltet ihre Fallen und Sackgassen, denn paradoxerweise produzieren die geforderten, als "weiblich" klassifizierten Fähigkeiten im Bereich von Sprache, Emotionalität/Empathie und Kommunikativität keine "Symbolanalytikerinnen", sondern Symbolanalytiker. Produziert werden nach wie vor eine Menge von "kundenbezogenen Dienstleisterinnen":

Der immaterielle Anteil ihrer Arbeit ist relativ gering. Sie brauchen eine gepflegte äußere Erscheinung, Freundlichkeit und müssen es verstehen, wie Reich schreibt, "andere in einen Zustand der Zufriedenheit und Entspannung zu versetzen" (197), weshalb viele solcher Stellen mit Frauen besetzt sind.
Die Anforderung bzw. Erwartungshaltung gegenüber frauenspezifischen Fähigkeiten hat sich also seit den 1950er Jahren nicht wesentlich geändert.

Nach Eleonore Bayer wird EU-weit diesem (von Frauen empfundenen) Missstand mit Gender Mainstreaming begegnet. Im Fazit ist GM ein 'nettes tool', das aber bei weitem nicht hinreicht, um tatsächliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, im Geschlechterverhalten und für Gleichberechtigung zu erreichen. Empfehlenswert für die Lage in Deutschland zum Thema ist der Eintrag "Hartz und Gender" auf Genderblog; eine Statistik und Analyse über die Beschäftigung, die Berufe und die politische Beteiligung von Frauen in CE und SEE findet sich bei FemCities und ebenso den Gender Equality Report 2005, der das traurige Fazit zeigt, dass immer ncoh die Frauen, v.a. Frauen mit Kindern, die Verliererinnen auf dem Arbeitsmarkt sind.

Im Band "Gender Killer" (1994), der online verfügbar ist, stellt Sabine Grimm in ihrem Beitrag über feministische Intellektuelle in Bezug auf die Vordenker der Immaterialität der Arbeit, Deleuze und Foucault fest:

Theoretiker wie Foucault und Deleuze(3) sahen in den 70er Jahren unter anderem in der Frauenbewegung den Aufstand der unterworfenen Wissensarten und das Ende des Intellektuellen, wie wir ihn kennen nahen. Das war sicher eine etwas übertriebene Hoffnung, doch gab es durchaus neue Intellektuellentypen: illegitime, nicht akademisch autorisierte Theoretikerinnen, die die Verbindung zu den kollektiven Wissensformen herstellten, also zu dem, was es in der Frauenbewegung an Parolen, Diskursen, Haltungen, kollektiven Praktiken alles so gab.
Sabine Grimm zeichnet die gar nicht so verschlungenen Pfade nach, die dazu führten, dass Feminismus heute ein Betätigungsfeld innerhalb der Akademie geworden ist und sich somit dem Wissens- und Machtfeld männlicher Subjektivität einfügt. Man mag den Arguementationsgang teilen oder nicht - selbst habe ich meine Bedenken -, klar ist aber doch, dass bestimmte Formen des "Staatsfeminismus" und des GM schlicht dem Erhalt des Status quo in Sachen Gender und Arbeit zuarbeiten. Dies haben Antonio Negri und Michael Hardt bereits in ihrer Kritik des Lokalen als Gegenkonzept zum Globalen in "Empire" gesehen.


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