5 Doktoranden- oder Postdoktorandenstipendien

posted by Hana Blahova on 2009/05/08 21:58

[ Stipendien ]


An der Universitatea de Vest Temeswar sind 5 Doktoranden- oder Postdoktorandenstipendien für die deutsch- und rumänischsprachige Graduiertenschule ´Begriffsgeschichte´ als Dekonstruktion gesellschaftlicher und politischer Kommunikation in Rumänien zu vergeben.
Die Ausschreibung richtet sich an:
(Post-)DoktorandInnen aus verschiedenen Ländern, die über Grundkenntnisse in Deutsch und ausgezeichnete (passive) Rumänischkenntnisse verfügen und ein überdurchschnittliches Interesse an rumänischer Geschichte und historischer Theorie aufweisen.

Die Graduiertenschule findet in Temesvar an der Universitatea de Vest statt, wird darüber hinaus vom Lehrstuhl für Neuere Geschichte der RWTH Aachen mit betreut. Die Verlegung des Wohnsitzes nach Temesvar für die dreijährige Dauer der Graduiertenschule ist Voraussetzung. Das monatliche Stipendium beträgt 550 Euro.  Deutsch- (und englisch-)sprachige Dissertationen können von Absolventen des Faches Geschichte auch an der RWTH Aachen eingereicht werden.

"Begriffsgeschichte":

verspricht Antwort auf eine ganze Reihe von Fragen, die die Wissenschaftlichkeit der Historik unmittelbar tangieren: Warum muss Geschichte immer wieder neu geschrieben werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Orientierungsleistung von Geschichte verbessert wird?
Wie wird ein bereits gedeuteter, überlieferter narrativer Vorstellungskomplex in den Horizont gegenwärtigen Bewusstseins geholt?

"Begriffsgeschichte" thematisiert soziale Sinnzuschreibungen im historischen Zusammenhang und sie beschreibt damit den Aspekt der Kultur, also der Verständigung über Zeichen und Symbole, der individuellen Entäußerung und der situativen Anpassung und
Neuerfindung. Sie fragt danach, warum sich bestimmte Begriffe, "Grundbegriffe", durchgesetzt haben, welche Vorstellungswelten die Begriffe bündeln, was sie ausschließen, verdecken, offenlegen, wer mit welcher Absicht sie in den politischen Diskurs eingebracht hat und wie die Begriffe in der Öffentlichkeit lanciert wurden, was sie zu nützlichen politisch-sozialen Termini gemacht hat und welche Zukunftsvorstellungen sie enthalten.

In Rumänien ist der politische Diskurs bis in die Gegenwart geprägt durch ein
Aneinander-Vorbeireden der politisch Verantwortlichen, man könnte sagen, durch eine monologische Kultur. Begriffe haben Signalfunktion für die eigene Anhängerschaft, zielen aber nicht auf eine Verständigung zwischen den differierenden Gruppen. Deshalb vermag
"Begriffsgeschichte" aufzuklären über den kommunikativen Modus in Rumänien und Einsicht in die historische, politische und soziale Bedingtheit von Begriffen zu eröffnen. Die Dekonstruktion der Begriffe zielt auf Bewusstwerdung und ermöglicht dadurch die Suche
nach neuen und geeigneteren sprachlichen Repräsentationen von Identität und gesellschaftlicher Ordnung. "Begriffsgeschichte" erlaubt zukünftig vielleicht einen sorgfältigeren Umgang mit Sprache, zielt in jedem Fall auf eine neue politische Kultur.

Leitfragen:
Alle geplanten Dissertationen und Aufsätze sollen vergleichbare Fragestellungen aufgreifen. Im Folgenden seien die zentralen Hinsichten genannt:
  • Wann, wie und wo entstanden neue Bedeutungszuweisungen zu Begriffen?
  • Warum und in welchem Kontext setzten sie sich durch?
  • Wiefern spiegeln sich in den Begriffen unterschiedliche Identitätskulturen wider (vom Mittelalter bis in die Gegenwart) und wiefern erhielten die Begriffe im Verlaufe der Zeit immer neue Bedeutungen?
  • Lassen sich Konjunkturen der Begriffsverwendung herausarbeiten?
  • Welche Begriffsgemeinschaften sind zu unterscheiden?
  • Sind sie sozial geschieden oder besser mit einem Terminus wie Milieu charakterisiert?
  • Eignen sich die Begriffe als Indikatoren einer spezifisch rumänischen "Kommunikationsgeschichte"?
  • Wie veränderten sich die Begriffe im Zuge des Transfers aus anderen Kulturen in die rumänische Sprache?
  • Welche Unterschiede in der „Begriffsgeschichte“ zeigt der Vergleich mit Westeuropa bei Auswertung der einschlägigen Forschungsliteratur?
  • Welche Selbstverpflichtung implizierte die Verwendung von Begriffen und inwiefern zielte die Nutzung von Begriffen darauf, Realitäten zu schaffen?
Wortfelder:
Für das Graduiertenkolleg werden begriffsgeschichtliche Arbeiten begrüßt zu Wortfeldern, die gesellschaftlich sensible Bereiche thematisieren und zugleich omnipräsent in rumänischen
Gegenwartsdiskursen sind, die Fragen der Identität berühren und – oft antonymisch – Selbst- und Fremdzuschreibung zwischen Ethnien, Geschlechtern, Regionen, sowie nationaler und europäischer Identität vornehmen.

Aufnahmeregeln:


Alle Doktoranden und Postdoktoranden werden in einem internationalen Ausschreibe-verfahren ausgewählt. Grundlage für die Auswahl werden ausführliche Exposés der Interessenten zu den Themen des Graduiertenkollegs sein. Die besten Bewerberinnen und Bewerber werden nach Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat selektiert. Alle
Kollegiat/innen sollten erste Kenntnisse des Deutschen haben und bereit sein, diese auszubauen, da es auch Lehrveranstaltungen in deutscher Sprache geben wird.

Valeska Bopp-Filimonov
Historisches Institut, RWTH Aachen

0241-8026021

valeska.bopp-filimonov@rwth-aachen.de

www.histinst.rwth-aachen.de

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