Bosnien | Bosnia - Part 31

posted by nedad on 2006/09/07 20:26

[ Bosnien | Bosnia ]

Der Staat Bosnien-Herzegowina, oder zumindest dessen zentraler Kanton Sarajevo, beginnen offenbar langsam, sich um die mittlerweile in der ganzen Welt verstreuten bosnischen WissenschafterInnen zu kümmern. Davon zeugt der Erste Kongress der bosnisch-herzegowinischen wissenschaftlichen Diaspora, der vom 14. bis 17. September 2006 in Sarajevo stattfindet.
Die Neuprägung wissenschaftliche Diaspora ist aus mehreren Aspekten interessant, wichtig ist vielleicht, an dieser Stelle zu erwähnen, dass bosnisch-herzegowinische Regierungsvertreter endlich in den Prozess des Begreifens geraten, dass gerade die Diaspora ein großes (menschliches) Potenzial aufweist, das in der künftigen Entwicklung des Landes und dessen Annäherung an die EU (ein auch inzwischen bis zum geht nicht mehr abgenutzter Begriff...) eine Schlüsselrolle spielen kann.

Es wird offenbar nötig sein, das schon seit dem Kriegsanfang (1992) schwingende Kriegsbeil zwischen "dejenigen, die da geblieben sind" und "denjenigen, die im oder nach dem Krieg weggegangen (manche sagen dazu im äußerst reichen bosnischen Jargon so etwa wie "abgezischt") sind" zu begraben. Zumindest in einem Lebensbereich, dem vielleicht eine Vorreiterrolle in der Entwicklung und Promovierung der bosnischen Gesellschaft gehört.

Es ist nach wie vor illusorisch, von den im Ausland etablierten bosnischen WissenschafterInnen zu erwarten, dass sie an die bosnischen Unis kommen, ehrlich gesagt, viele von ihnen würden dort als andere als willkommen geheißen. Das, wofür die bosnische wissenschaftliche Diaspora immerhin gut sein kann, ist eine umfangreiche Vernetzung, die den inzwischen sowohl in Lehrinhalten als auch in der nötigen Infrastruktur veralteten bosnischen Unis einen frischen Wind "aus dem Westen" bringen könnte. Auch Gastprofessuren sind etwas, wovon die bosnischen Studenten sehr gut profitieren können.

So könnte man - um nur ein Beispiel aus der derzeitigen Lage an den bosnisch-herzegowinischen Unis darzustellen - einer absurden und selbstzerstörerischen Praxis, serbische und kroatische Lehrkräfte (scherzhaft in der bosnischen akademischen Community "Weekend Professors" genannnt) unter oft hohen Preisen zwecks Lehraufträge an bosnische Unis zu holen, ein (lang ersehntes) Ende setzen.

Was dieser Erste Kongress der wissenschaftlichen Diaspora bringen wird, bleibt abzuwarten. Wir können nur hoffen, dass er nicht zu einer netten "Plauscherlrunde" - wie so oft in Bosnien der Fall ist - mutieren wird, sondern dass man zumindest ein paar klare Pläne und eine so wünschenswerte Strategie (zumindest in Umrissen) bekommt, wie die Forschung in Bosnien vom derzeitigen Zustand der "Stunde Null" in Gang zu bringen wäre. Bedauerlich ist nach wie vor, dass ein solches für den ganzen Staat wichtiges Event von einem einzigen Kanton finanziell unterstützt und organisatorisch getragen wird. Was wiederum auf politische Gegebenheiten im Land deutlich hinweist. Und nochmals eine wichtige Tatsache unterstreicht: Der bosnisch-herzegowinischen Wissenschaft und Forschung wird es dann besser gehen, wenn das Land eine transparente und finanziell nachhaltige Forschungspolitik bekommt. Andersrum: Bosnien-Herzegowina braucht nach wie vor ein staatliches Wissenschaftsministerium. Ob die Politiker dieser Meinung sind, mag ich (immer noch) bezweifeln.

Mehr Infos über den Kongress (in Bosnisch): Website des Kantonalen Bildungsministeriums in Sarajevo.


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