Sprache | Language - Part 3

posted by nedad on 2006/02/27 11:08

[ Sprache | Language ]

Eine interessante Buchempfehlung über den Sprachkontakt habe ich auf der JOE-List gefunden. Wiener Slavist Stefan-Michael Newerkla empfiehlt das neue Buch von Markus Bayer: Sprachkontakt deutsch-slavisch. Eine kontrastive Interferenzstudie am Beispiel des Ober- und Niedersorbischen, Kärntnerslovenischen und Burgenlandkroatischen (= Berliner Slawistische Arbeiten 28). Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2006 (Peter Lang)
Diese Studie beschäftigt sich mit vier slavischen Mikrosprachen, die
seit Jahrhunderten in engem Sprachkontakt mit dem Deutschen stehen,
dem Ober- und Niedersorbischen, dem Slovenischen in Kärnten und dem
Kroatischen im Burgenland. Wie in allen Sprachminderheiten mit voller
Zweisprachigkeit führt der asymmetrische Sprachkontakt auch hier zu
einer Vielzahl von Entlehnungen.

Der Schwerpunkt der Untersuchung
liegt auf strukturellen Entlehnungen im Bereich der Morphosyntax, die
in den vier Kontaktsprachen des Deutschen erstaunliche
Übereinstimmungen aufweisen. Darüber hinaus wird der Frage
nachgegangen, welche sprachlichen Teilsysteme für Entlehnungen
besonders anfällig sind und welche Mechanismen dem Entlehnungsprozess
zugrunde liegen. Hierbei zeigt sich, dass als Einfallstor der
Entlehnung die Lexik dient. Die meisten strukturellen Entlehnungen
setzen auf der Ebene von Lexemen an. Der Schritt von der
lexikalischen zur strukturellen Entlehnung besteht in einer
Funktionsverlagerung entlehnter Lexeme.

Aus dem Inhalt: Lexik - Substantivdetermination - Partikelverben -
Reflexivpronomina - Personalpronomina - Rektion der Verben -
Unpersönliche Konstruktionen - Passivkonstruktionen -
Rahmenkonstruktionen - Faktoren struktureller Entlehnung -
Mechanismen der Entlehnung - Motivationen der Entlehnung.

Der Autor: Markus Bayer studierte Slavische Sprach- und
Literaturwissenschaft sowie Indogermanistik an der Freien Universität
Berlin. Nach dem Studium unterrichtete er Deutsch als Fremdsprache in
Litauen und war anschließend als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Sorbischen Institut in Bautzen tätig. Im Jahre 2005 schloss er seine
Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin ab.


Deutsch-slavischer Sprachkontakt war seit dem Beginn der Sprachkontaktforschung intensiv betrieben (z.B. Kiparsky 1934), diese Studie von Bayer wirft jedenfalls ein neues Licht auf bisher nicht genug untersuchte Aspekte des deutsch-slavischen Sprachkontakts, die jenseits des lexikalischen Kontakts stehen. Besonders interessant zu sein scheinen mir die gezogenen Parallelen zwischen dem Ober- und Niedersorbischen einerseits und dem Burgenlandkroatischen und Kärntner Slowenischen andererseits.


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