Bücher | Books - Part 9

posted by usha on 2005/07/21 14:55

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Als gelernte Klassische Philologin, die nicht ganz davon los kommt, und vom Strom der Kulturwissenschaften Erfasste, freue ich mich immer wieder, wenn Letztere in Erstere Einzug hält. Dies ist auch der Fall bei der bei H | Soz | Kult besprochenen Publikation zur antiken Xenophobie.

Erst kürzlich sah ich mich veranlasst, in einem Blog darauf zu verweisen, dass sich die Segnungen der Platonischen und humanistischen Gleichheitsphilosophie auf dem Boden einer restriktiven Zivil- als Bürgerschaftspolitik und der - sagen wir: "Stammes"-Überlegenheit, da weder Nation noch Volk in heutigem Sinne gedacht wurden - begründet, und andere Stämme o.Ä. schlicht als Barbaren betrachtet wurden.

Eine etwas größere Indolenz gegenüber dem Fremden legte für längere Zeit Rom an den Tag, das den Zugang zum Bürgerrecht außer über die Abstammung von Patriziern pragmatisch nach dem Finanzstatus und dem geleisteten Militärdienst regelte.

Die Zusammenfassung der Rezension zu Isaac Benjamins Buch The Invention of Racism in Classical Antiquity (Princeton UP 2004) durch Julia Wilker lautet folgendermaßen:

Benjamin Isaac hat mit seiner neuesten Monographie eine beeindruckende Untersuchung zu ethnisch begründeten Vorurteilen und dem Phänomen der Xenophobie im klassischen Altertum vorgelegt, die durch ihren Materialreichtum und ihre stringente Argumentation besticht. Das von ihm entworfene Gesamtbild eines durchgängigen und damit die klassische Antike prägenden "Proto-Rassismus" kann freilich in der von ihm angestrebten Reichweite nur partiell überzeugen. Eine Übertragung des Rassismus-Begriffes, auch mit dem einschränkenden Präfix, auf die Antike erscheint generell schwierig, findet doch allein der den modernen, biologistischen Rassismustheorien zugrundeliegende Terminus "Rasse" / "race" weder im griechischen ethnos noch im lateinischen Begriff natio eine auch nur annähernd adäquate Entsprechung. Dazu fehlt - angesichts des bereits beträchtlichen Umfanges durchaus verständlich - ein Hinweis auf die alternativen, gleichfalls in der Antike entwickelten und einflußreichen Konzepte zur Erklärung ethnischer und kultureller Differenz. Man muß damit Isaacs Theorie eines antiken "Proto-Rassismus" nicht unbedingt folgen, doch ist dieses anregend und engagiert geschriebene Werk nur mit Gewinn für jeden zu lesen, der sich mit dem Verhältnis unterschiedlicher Völker und Kulturen in der Antike und Rassismus-Theorien im allgemeinen beschäftigt. "The Invention of Racism in Classical Antiquity" wird die angesprochenen Themenfelder und Diskussionen in der historischen Forschung zweifellos über Jahre hinweg prägen.

Dies wird ganz sicher ein Buch sein, das seinen Weg nicht nur in mein Bücherregal, sondern auch zu meiner Lektüre finden wird. - Eine bemerkenswerte Überlegung, wie es zu einem römischen Imperialismus kam, am Beispiel des größten Schuldners Cäsar, legte vor Jahren Wolfgang Will mit Julius Caesar: Eine Bilan (Stuttgart: Kohlhammer 1992) vorgelegt. Gerade für die antiken Imperien ist immer wieder festzuhalten, dass ihr Entstehen sich so wenig wie im 18./19. Jh. oder heute einer "natürlichen" Überlegenheit verdankt, sondern prosaischen Gründen.


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