Europa | Europe - Part 3

posted by usha on 2005/06/25 09:33

[ Europa | Europe ]

Es ist also doch wahr: Habsburg bzw. der "Vielvölkerstaat", vulgo mit Musil "Kakanien", gibt die passende Parallele zur EU ab.

Dies, was die "Gefahren" der multinationalen EU betrifft, wie Frits Bolkestein (1999-2004 EU-Kommissar) gestern in einem Interview mit "Der Standard" feststellte:

Die EU ist kein Staat und darf auch nicht so agieren. Sonst endet sie wie die österreichisch-ungarische Monarchie. [...] Diese Monarchie war ein riesiger Markt, mit hohem Wachstum von durchschnittlich 4,5 Prozent, mit brillanter Wissenschaft, Kunst, Kultur. Trotzdem ist sie untergegangen, zerschellt am Felsen des unterdrückten Nationalismus. Man soll diesen Vergleich nicht übertreiben, aber die EU leidet unter dem selben Phänomen: Sie will zu viel zentral regeln[.]
Bolkestein wurde im Interview zu diesem Vergleich gedrängt, da er als Research Fellow am IWM in Wien momentan die Habsburgermonarchie erforscht. Nicht zu einem Vergleich gedrängt wurde hingegen Joachim Fritz-Vannahme, der in der "Zeit" seinen Beitrag gleich mit "Vorbild Habsburg" betitelt. Habsburgische Träume werden hier dem tschechischen Präsidenten Václav Klaus zugeschrieben. Aber auch im Streit um den Beitritt Kroatiens zur EU sieht Fritz-Vannahme einen späten Zusammenhalt habsburgischer Länder: Österreich, Ungarn, Slowakei, Slowenien treten als Befürworter auf.

Zum Abschluss die Antwort von Václav Klaus auf die Frage, ob Tschechiens Widerstand gegen dei EU-Verfassung mit den Erfahrungen aus der Habsburgermonarchie zu tun habe:

Vielleicht bin ich ein bißchen "arrogant", wenn ich sage, daß die Tschechen eben absolut sicher sind, daß sie sich im Herzen Europas befinden. Wir oder die Polen brauchten die EU-Mitgliedschaft nicht als Bestätigung. Für Länder, die etwas weiter östlich oder südlich liegen, ist das ein bißchen anders.
Da sind wir also wieder bei der Geopolitik, die wohl, da sie die Antwort auf eine ganz andere Frage war, die nicht auf Territoriales abzielte, auch eine Kulturpolitik bedeutet. Die territorial-kulturellen Grenzen Europas und die Aufsplittung in Nord-Süd- und West-Ost-Gefälle bleibt uns also erhalten; es war leider nichts mit einer Veränderung der Weltstrukturen...


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