Die Specials der Diagonale

posted by SHorváth on 2008/03/29 18:33

[ Film Festivals ]

Als das Festival des österreichischen Films hat die Diagonale auch dieses Mal, genauer vom 1. bis zum 6. April, eine äußerst attraktive Programmvielfalt zu bieten, für die sich ein Trip nach Graz wahrlich lohnt. Ganz besondere Aufmerksamkeit widme ich stets den Specials, durch welche das Festival-Repertoire über die Werkschau internationaler Filmkünstler hinaus – heuer etwa u.a. von der bosnischen Regisseurin Jasmila Žbanić – vor allem mit filmhistorischem Material bereichert wird.
Das Filmarchiv Austria ist mit einem ausgewählten Programmschwerpunkt ebenso vertreten – darunter mit Neuentdeckungen zum frühen österreichischen Film und Filmdokumenten zur österreichischen Zeitgeschichte – wie auch das Österreichische Filmmuseum im Zusammenwirken mit SYNEMA. Gemeinsam geben diese anlässlich des 60. Jubiläums des Gosfilmofond Russland einen Einblick in das hierzulande noch unbekannte Oeuvre eines aus Wien stammenden sowjetischen Filmemachers: Regie: Rappaport ...

Gerbert Rappaport, geb. 1908 als Herbert Jacob Otto Rappaport in Wien, 1983 unter nie geklärten Umständen in Leningrad verstorben, ist der einzige deutschsprachige Emigrant, der sich in der Sowjetunion dauerhaft als Filmemacher etablieren konnte.

Rappaport, der in Wien dasselbe Gymnasium besuchte wie Fred Zinnemann, kam Ende der Zwanzigerjahre zum Film. Er arbeitete in Berlin und Paris als Regieassistent bei G.W. Pabst, versuchte 1934/35 sein Glück in Hollywood und nahm im Jahr darauf die Einladung des Studio Lenfilm an, das Anti-Nazi-Drama "Professor Mamlock" von Friedrich Wolf auf die Leinwand zu bringen. Der gleichnamige Film (1938, gem. m. Adolf Minkin inszeniert) begründete seine Karriere, die über vierzig Jahre währte und rund 25 Regiearbeiten umfasst: Komödien, Musicals, Kriegsalmanache, Ballettinszenierungen, Kriminalfilme.

Sieben ausgewählte Programme stellen Gerbert Rappaports vielfältiges Filmschaffen zum ersten Mal auch einem Publikum außerhalb Russlands vor. Begleitet wird die in Zusammenarbeit mit Barbara Wurm und Olaf Möller kuratierte Retrospektive von einem Katalogheft mit Briefen und Texten von und über Rappaport, das bei SYNEMA-Publikationen erscheint (Bestellungen ab 16. April möglich). Alexander Rappaport, der Sohn des Filmemachers, wird als Gast beim Filmfestival in Graz anwesend sein.

Filme und Einführungen von 2. bis 6. April 2008
Detailliertes Programm und Tickets auf der Homepage der Diagonale 08

Auch in Wien darf man sich dieser seltenen Filmschau erfreuen, denn das Filmmuseum wird die Retrospektive ab Mitte April wiederholen.


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