Sommerkino - Part 9

posted by SHorváth on 2007/07/05 18:14

[ Sommerkino ]

Das Sommerkinofestival des Filmarchiv Austria verschreibt sich zum 10-jährigen Jubiläum ganz den Kinematografien Südosteuropas. Mit dem Titel Balkan.Kino.Welt:
Das Leben ist ein Wunder
begibt sich die Filmreise, vom
12. Juli bis 19. August 2007 im Kinozelt + Open Air Filmarchiv-Garten und danach vom 20. August bis 14. Oktober 2007 im Metro Kino, mit über 150 Spiel- und Dokumentarfilmen (darunter 50 österreichische Erstaufführungen) auf eine ereignisreiche cineastische Balkantour.

Die filmische Bandbreite gliedert sich in Balkan Odyssee, Retrospektive Dušan Makavejev, Retrospektive Emir Kusturica, Fokus Rumänien, Fokus Bulgarien sowie Roma Reigen ...
 

Balkan Odyssee

 

    Das Hauptprogramm lädt mit 46 Spielfilmen zu einer Tour d´Horizon durch die Kernregion des
    Balkans, die Länder des ehemaligen Jugoslawiens und Griechenland. Neben den wichtigsten Klassikern (z.B. Filme von Theo Angelopoulos, Karpo Godina, Krsto Papić oder Goran Paskaljević) stehen zahlreiche Entdeckungen (etwa Paskaljevićs Gipsy-Saga ANDJEO ČUVAR / SCHUTZENGEL, die Kusturica zu TIME OF THE GIPSIES inspirierte oder Zivojin Pavlovic’ BUDJENJE PACOVA / DIE RATTEN ERWACHEN, ein Klassiker der "Schwarzen Welle") und spannenden Österreich-Premieren (z.B. Emir Kusturicas in Cannes vorgestellte jüngste Arbeit ZAVET oder zwei Erstaufführungen des griechischen Regisseurs Pantelis Voulgaris).

Retrospektive Dušan Makavejev

 

    Mit Dušan Makavejev würdigt das Filmarchiv den großen Avantgardisten und Erneuerer des
    Balkankinos mit einer ersten Personale in Österreich. Seine gewagten Verknüpfungen von Politik und freier Sexualität – Letztere gedacht als Voraussetzung für eine erfolgreiche sozialistische Revolution – vertrug sich so gar nicht mit dem vom Tito-Staat gepflegten identitätsbildenden Partisanenmythos. Zum ersten Mal kann man in Österreich die Werke aus der Schaffensperiode in Jugoslawien mit jenen vergleichen, die Makavejev nach 1971 in verschiedensten Ländern realisierte. THE COCA-COLA KID (USA 1985) und MANIFESTO (USA 1988) werden als österreichische Erstaufführungen gezeigt. Die Retrospektive Dušan Makavejev entstand in enger Kooperation mit der Jugoslovenska Kinoteka Beograd.

Die Retrospektive Emir Kusturica widmet sich dem Gesamtwerk - ZAVET / PROMISE ME THIS mit inbegriffen - dieses international überaus erfolgreichen Regisseurs. Zu sehen sind auch die selten gezeigten frühen Arbeiten wie NEVJESTE DOLAZE / DIE BRÄUTE KOMMEN (YU 1978), SJEČA LI SE DOLI BEL? / ERINNERST DU DICH AN DOLLY BELL? (YU 1981) oder OTAC NA SLU BENOM PUTU / PAPA IST AUF DIENSTREISE (YU 1984). Ein faszinierendes Themenfeld komplettiert schließlich den puren Kinosommer:

Roma Reigen

 

    "Roma Reigen" taucht in die (gefilmte) Welt der Roma, Sinti, Lowara, Kalderasch, Manusch, Gitanos, Gitanes, Cigani vulgo Zigeuner, einer immer noch marginalisierten Minderheit ein, die bis heute die Geschichte und Kultur der Balkanländer prägt. Zwischen unbändiger Lebenslust und existenzieller Verzweiflung, zwischen radikaler Freiheit und brutaler Ausgrenzung, immer wieder auch überlagert von romantisierenden, bisweilen kitschigen Klischeebildern vermittelt sich die "Welt der Zigeuner" im Kino besonders intensiv und faszinierend. In dreißig Beispielen ersteht der Kosmos einer Gemeinschaft, deren Wunden nicht geheilt und Konflikte mit den Gadjos nicht bewältigt sind.

Über die begleitende, gleichnamige Live-Musikreihe gibt dieser Link Aufschluss.


In Kooperation mit dem KulturKontakt Austria wird es im Rahmen der Sommerkinoveranstaltung darüber hinaus sowohl eine rumänische wie auch eine bulgarische Werkschau geben. Beide kommen daraufhin im September und Oktober in den Bundesländern Kärnten, Oberösterreich und Salzburg in den Programmkinos zur Aufführung.

Fokus Rumänien

 

    Noch in den siebziger und achtziger Jahren wurden in Rumänien bis zu dreißig Spielfilme jährlich produziert, im Jahr 2000 kein einziger mehr. Mittlerweile sind es wieder acht bis zehn. Und die lassen sich sehen. Die Bedingungen, unter denen eine Handvoll Individualisten zu arbeiten haben, sind widrig. Hartnäckig und persönlich in ihren Filmsprachen und Themen, einsam und risiko-freudig behaupten sie sich durchaus erfolgreich – wie der aktuelle Gewinn der Goldenen Palme durch Cristian Mungius 4 LUNI, 3 SAPTAMINI SI 2 ZILE / 4 JAHRE, 3 MONATE und 2 TAGE beweist (...) Spätestens seit Cannes 07 stehen die jungen Wilden Rumäniens im internationalen Rampenlicht. Filme aus dem Karpatenland schaffen plötzlich auch den Sprung in europäische Art-House-Kinos. Das Special zu Rumänien bietet neben den jüngsten Erfolgsproduktionen eine ganze Reihe österreichischer Erstaufführungen und verabsäumt auch nicht, das Fundament in Streiflichtern zu erhellen, auf dem die jungen Filmkünstler aufbauen – denn der Bogen des Angebots reicht zurück zu PADUREA SPINZURATILOR / WALD DER GEHENKTEN, dem ersten rumänischen Filmerfolg in Cannes vor vierzig Jahren.

Fokus Bulgarien

 

    "Eine bekannte Tatsache über den bulgarischen Film ist, dass er unbekannt ist", schrieb der
    bulgarische Filmkritiker Yanko Terziev 2004. Inzwischen könnte schon leise dementiert werden, haben doch in den letzten Jahren zahlreiche Filmproduktionen dafür gesorgt, dass dieser weiße Fleck auf der europäischen Filmlandkarte langsam gefüllt wird. Die Blütezeit des Bulgarischen Filmschaffens weist in die 1970er-Jahre, als eine ganze Generation wie der kürzlich verstorbene Hristo Hristov oder die Regie-Pionierin Binka ?eljaskova eine eigene Variante des europäischen Autorenkinos kreierte. Der Weg über internationale Co-Produktionen und die Etablierung gesetzlicher Rahmenbedingungen 2003 schuf schließlich auch in Bulgarien die Basis für die bemerkenswerte Revitalisierung der nationalen Kinematografie. Im Rahmen des Sommerkino-Festivals sind dazu etwa PISMO DO AMERIKA / BRIEF NACH AMERIKA (Bul 2000, österr. Erstaufführung), EMIGRANTI / EMIGRANTEN (Bul 2002, österr. Erstaufführung), LEJDY ZI / LADY ZEE (Bul 2005, österr. Erstaufführung) oder MAIMUNI PREZ ZIMATA / AFFEN IM WINTER (Bul 2006) zu sehen.

Quelle: Filmarchiv Austria


Zum Festival erscheint ein ausführliches Programmheft (gratis an den Kinokassen im
Augarten und Metro Kino) sowie ein Übersichtsfolder. Das gesamte Programm ist auch unter www.filmarchiv.at abrufbar.

Eröffnung: 12. 07. 2007, 19.00 Uhr
Ort: Filmarchiv Austria (Garten), Obere Augartenstraße 1e, 1020 Wien


 


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