Vorträge - Lectures

posted by SHorváth on 2005/06/12 18:10

[ Vorträge - Lectures ]

Die Umerziehungsstrategien der alliierten Besatzungsmächte in der Periode nach 1945 - sich vehement der Aufgabe der sog. Re-education bzw. der Re-orientation in Deutschland und Österreich verpflichtend - kamen einer vorsätzlichen "Schockmethodik" gleich, die vor allem durch visuelle Maßnahmen ihre zum kollektiven Schuldbewusstsein und Schuldbekenntnis der Bevölkerung hinlenkende Wirksamkeit entfalten sollte, zugleich jedoch die projizierten Bilderwelten ob ihrer wahrlich grausamsten Wirklichkeit in Frage stellt, indem diese viele "Leerstellen" des nicht einmal annähernd Fassbaren umkreisen. Verwiesen sei hiermit auf den Vortrag -
 

"Chancen und Grenzen visueller Schockpädagogik: Deutsche Reaktionen auf alliierte KZ-Filme 1945/46"

Diesem Thema widmet Ulrike Weckel (Berlin) ihre Untersuchungen, die sie im Rahmen der Vortragsreihe "Interaktionen" am Institut für Zeitgeschichte an der Universität präsentiert.
Zeit: Donnerstag, 16. Juni, 12 Uhr s.t.
Ort: Seminarraum 1, Institut für Zeitgeschichte, Universitätscampus, 1090 Wien, Spitalgasse 2-4/Hof 1
 

    Erschüttert von den vorher kaum für möglich gehaltenen Verbrechen, die die
    Alliierten auf ihrem Vormarsch in Nazi-Deutschland entdeckten, entschlossen
    sich vor allem Briten und Amerikaner zu Maßnahmen visueller Schockpädagogik:
    Vor Ort, per Foto und Film sollten die Deutschen erkennen, welche
    Grausamkeiten sich in ihrer Nähe zugetragen hatten, ohne dass dies sie
    sonderlich beunruhigt hätte. Die Wirkungsabsicht schwankte – so eine
    zentrale These dieses Vortrags – zwischen Aufklärung und öffentlicher
    Beschämung, und deutsche Reaktionen spiegeln genau diese Ambivalenz wider.
    Anhand zweier Beispiele, einer von der lokalen britischen Besatzungsmacht
    angeordneten obligatorischen Wochenschau- Vorführung im Mai 1945 und dem
    Einsatz des längerfristig erarbeiteten Reeducation-Films Todesmühlen in der
    US-Zone Anfang 1946, sollen Chancen und Grenzen dieser Pädagogik und damit
    zugleich die methodischen Probleme von historischer Rezeptionsforschung
    beleuchtet und diskutiert werden.

Dr. Ulrike Weckel, Historikerin, bis 2004 wissenschaftliche Assistentin am
Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU
Berlin, derzeit Research Fellow am IFK, Wien; Habilitationsprojekt zum Thema "Vieldeutige Vergangenheit: Zu kulturellen Repräsentatio­nen des Nationalsozialismus und ihrer Aneignung in Nachkriegsdeutschland";
Forschungsschwerpunkte: Frauenzeitschriften und literarische Öffentlichkeit
im 18. Jahrhundert, Geschlechtergeschichte der Geselligkeit (18./19. Jh.),
Frauen im Nationalsozialismus, kulturelle Versuche einer
"Vergangenheitsbewältigung" in Nachkriegsdeutschland, Rezeptionsforschung.

Death Mills/ Die Todesmühlen
USA/Deutschland 1945/46, Regie: Hanuš Burger, 22 Min.

"Die Todesmühlen" von Hanuš Burger - unter der Oberaufsicht von Billy Wilder erstellt - zeigt die Weimarer Bevölkerung, die im Sommer 1945 auf Anweisung der Amerikaner das nahe gelegene KZ Buchenwald besichtigen muss. Es werden Bilder jener Menschen eingeblendet, die nur ein paar Jahre zuvor als begeisterte Nazis den Arm zum Hitlergruß hoben. Aufnahmen von einem Parteitag folgen. Burger über seine Intention: "Diese Menschen wollte ich mithilfe dokumentarischer Bilder durch all die Jahre begleiten. Wie sie ein wenig später ohne Protest die Arbeitsplätze der Opfer einnahmen, ihre Läden, Wohnungen und Firmen. Wie sie das Beutegut aus den überfallenen Gebieten empfingen, wie sie einmarschierten, bewachten, abtransportierten, hinrichteten. Wie sie dann in den Kellern saßen oder in den Gräben von Stalingrad, und wie sie dann sagten, sie hätten von nichts gewusst". Der Film bemüht sich, alle Opfergruppen aufzuzählen, vergisst aber die Homosexuellen, die Sinti und Roma. (Filmarchiv Austria)
 


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