Stummfilm - Silent Film - Part 2

posted by SHorváth on 2005/05/27 20:29

[ Stummfilm - Silent Film ]

Ein seltenes Stummfilmereignis aus der Schweiz, das seinen Bekanntheitsgrad wohl durch den in der Folge in Frankreich populär gewordenen Charakterdarsteller Michel Simon schöpft, wird heute Nacht erstmals in einer aufwändig restaurierten Fassung auf ARTE ausgestrahlt. Mit der Rolle des Hauslehrers wird Simon seine lang anhaltende Kinokarriere (insb. durch die Zusammenarbeit mit Jean Renoir) beschreiten, die vor allem mit Beginn der Tonfilmzeit steil bergauf geht.
"Die Macht der Arbeit"
entstand unter der Regie des aus Genf stammenden Filmemachers Jean Choux, der zu den außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Filmwelt seiner Zeit zählte.
 

DIE MACHT DER ARBEIT (La vocation d'André Carel)
Stummfilm, Frankreich / Schweiz 1925, Erstausstrahlung
Regie: Jean Choux, Drehbuch: Jean Choux, Kamera: Charles-Georges Duvanel, Paul Guichard, Schnitt: Jean Choux, Produktion: Production Jean Choux, Produzent: Jean Choux, H. de Ruyter
Stéphane Audel (André Carel), Camille Bert (Jean Carel, Andrés Vater), Michel Simon (Gaston Lebeau, Andrés Hauslehrer), Blanche Montel (Reine Lugrin), Maurice Destain (Vater Lugrin), Jean Cyri (Louis Cardan), Héléna Manson (Cardans Geliebte)

Auf Anordnung seines strengen, aber wohlwollenden Vaters fährt der junge André mit seinem Hauslehrer zur Erholung an den Genfer See. Als er auf einem Bootsausflug die bezaubernde Kapitänstochter Reine kennen lernt, setzt er alle Hebel in Bewegung, um ihr Herz zu erobern, und heuert auf dem Kahn ihres Vaters an. Als mittelloser Schiffer verkleidet und ohne den verlockenden Glanz seines bourgeoisen Elternhauses hofft er, authentische Gefühle in Reine wecken zu können. Während der junge Mann mit dem Schiff unterwegs ist, kann sein gutmütiger Hauslehrer gegenüber Andrés Vater erfolgreich den Schein der Erholungskur wahren - bis André ernsthaft in Gefahr gerät. Eines Nachts wird er von seinem missgünstigen Rivalen Cardan angegriffen, der ihn nach einem wilden Handgemenge über Bord stößt. André droht zu ertrinken, wird jedoch in letzter Sekunde von Reine, der Schiffsmannschaft und dem reumütigen Cardan gerettet. Gerade rechtzeitig trifft er in Evian ein, wo sein Vater den Hauslehrer bereits mit ungeduldigen Fragen über den Verbleib seines Jungen löchert. Vom Fieber geschwächt, bricht André in den Armen seines Vaters zusammen und gesteht ihm nicht nur sein Abenteuer und seine Liebe zu Reine, sondern auch seine Berufung als Schiffer. Zu seiner großen Überraschung trifft er auf Verständnis vonseiten des Vaters. Bald ist die Hochzeit arrangiert und die beiden Liebenden segeln strahlend einer glücklichen Zukunft entgegen.

Mit "Die Macht der Arbeit" lieferte Jean Choux 1925 sein viel beachtetes Regiedebüt ab und schuf ein filmisches Dokument, das aufgrund der flüssigen Inszenierung malerischer Bilder nicht ohne Grund als lyrisches Filmgemälde bezeichnet wird. Doch der Film birgt mehr als poetische Aufnahmen des Genfer Sees und eine romantische Liebesgeschichte. Durch die Haltung seines Helden André, der seinen bourgeoisen Hintergrund zugunsten eines erfüllten Lebens als Fischer verlässt, spricht sich Regisseur Choux für die Überwindung gesellschaftlicher Klassenunterschiede aus. Choux, der für die sozialen Probleme seiner Zeit ein feines Gespür besaß, würdigt und poetisiert in "Die Macht der Arbeit" das einfache, arbeitsame Leben des "kleinen Mannes".

ARTE, 28.05., 00.30 Uhr


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