Verbotene Worte | Fobidding Words (8)

 Partei und Verbrechen 

posted by Katalin Teller 11 years ago

Gleich zwei Erstveröffentlichungen von Georgi Tenev (Sofia) konnten in der Reihe Verbotene (W)Orte publiziert werden: Romanauszüge aus Parteipalast und die Erzählung Rückkehr aus Den Haag (in toller Übersetzung von Elvira Bormann-Nassonowa) tasten die jüngste Vergangenheit von Mittel-, Ost- und Südosteuropa einfühlsam ab.

 Kosmopoliten und Nesthocker 

posted by Katalin Teller 11 years ago

Nun, bevor der allerletze Pfiff am Rasen in Wien erschallt und bevor sich die Augen und Sinne der Sportfans Richtung China wenden, soll dem Lesepublikum eine neuere "Ladung" an Texten zu verbotenen (W)Orten für die Leerstellen zwischen Pfiff und olympischem Feuer als qualitätsvolles Füllmaterial angeboten werden.

 Sprach(verun)sicherung 

posted by Katalin Teller 11 years ago

Mit diesem Untertitel wurde nun der dritte Themenkreis in der Reihe Verbotene W(O)rte eröffnet. Die Beiträge gehen mit unterschiedlichen Akzentuierungen und mal witzig, mal melancholisch der Frage nach, was es bedeutet, auf Sprache angewiesen zu sein, wenn es darum geht, die eigene Geschichte in Worten fassen zu müssen oder irgendeine Geborgenheit mittels Sprache finden zu können.

 Eins plus eins ist eins 

posted by Katalin Teller 11 years ago

"Manchmal sehen die Dinge gleich aus aber sie sind nicht gleich oder sie haben den gleichen Namen und wenn man sie sieht sind sie etwas ganz anderes. [...] Für alle Dinge gibt es zwei Worte eins für hier und eins für dort ein deutsches und ein französisches aber ich bin immer dieselbe."

Odile Kennels Ausflug in die Kindheit, die in ihrer Erzählung Wimpernflug das Feld einer eigenartigen Wahrnehung absteckt, zeugt von den sowohl witzigen als auch melancholischen Paradoxien der Sprachbarrieren.

 Sprachgötzen 

posted by Katalin Teller 11 years ago

Auch in den neuerlich online gestellten Texten der digitalen Anthologie Verbotene (W)Orte wird v.a. eine Umschau nach den Grenzen der versprachlichten Kultur, Politik und Geschichte gehalten: Ilija Trojanows beeindruckende Bestandsaufnahme cloning gods, reading barcodes, die eine verwirrende Überlagerung von Tradition und Moderne, von Sprachen und Nicht-Sprachen, von symbolträchtigen und entleerten Orten und Zeiten im heutigen Indien vor Augen führt, kann wohl für die Sammlung als stellvertretend angesehen werden. Denn die Frage, wo die sprachlich bedingten und folgerichtig kulturell geprägten Grenzen verlaufen, wie sie auf Imagologien und Geschichten auswirken, was überhaupt eine Grenzerfahrung bedingt, stellt sich mit besonderem Nachdruck am Ufer des Ganges:

a day’s trip down-river, in varanasi, a man called mahantji mishra is trying to save the ganges. as a believer, he says, i have to have my daily snaan in ganga mataji. as a scientist, a professor of engineering, i would not even put my toe into this filthy river. life is like a stream, he says, one bank is the vedas, the other bank is the modern world with all its science and technology. if both banks are not firm, the water will scatter. if they hold, the river will run its course. a surprising metaphor from somebody who has lived all his life at the banks of the ganges. for this river is a master of discontinuity. it changes its course constantly, it floods and it recedes, it scatters its blessings. creation and invention are no longer two opposing banks, two separate realities.

 

 Alltägliches, Verbotenes 

posted by Elena Messner 11 years ago

In einem Vorwort zur Textsammlung "Verbotene Worte" gibt Tzveta Sofronieva einen Überblick zur Grundidee und Geschichte des Projekts, aus dem die auf Kakanien Revisited publizierten Essays, Gedichte und Kurzgeschichten bzw. Romanauszüge hervorgingen. Typischerweise erklärt sie in diesem Vorwort, dass Grundauslöser dieses Projektes Übersetzungsfragen zu einem ihrer Gedichte waren. Der Titel "Heimat" schien nicht mehr übersetzbar, publizierbar geworden zu sein. Ausgehend von Fragen des Verbots, der Unmöglichkeit des Übersetzens in andere Kulturräume entstand durch zahlreiche und langjährige Diskussionen ein Netzwerk literarischer und wissenschaftlicher Projekte, das sich mit dem Gedächtnis der Worte, der Erinnerung in der Sprache oder (sprachlichen) Tabus, mit in der Sprache transportierten (kulturellen) Stereotypen, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten interkultureller Kommunikation und Literatur, sowie mit der Mehrsprachigkeit auseinandersetzt.
György Dalos wirft in seinem kurzen Essay "Das Wort als Schnee von gestern" die Frage nach der Archivfunktion vom politisch geprägten Sprachgebrauch auf und hinterfragt, inwiefern Worte als Träger von Ideologien und Weltanschauungen eben im "Archiv des Vergessens" verschwinden müssen. Egal ob es sich dabei um Alltagsworte, Namen mit symbolischer Bedeutung, Floskeln oder offizielle Termini handelt, Worte und ihre Bedeutungen markieren und betreffen, egal welche Sensationen und Welterschütterungen sie in ihren historischen Momenten auslösten, doch nur einen ganz bestimmten Zeitabschnitt. So geht ihre Bedeutung zwar nicht verloren, wird aber historisch.

 Entzeitigt 

posted by ush 11 years ago
Eine Literatur, die sich heute um unser Verhältnis zum Vergangenen sorgt, müßte uns lesend spüren lassen, daß wir selbst baldige Tote sind. Wer sich lesend als zukünftigen Toten erlebt, als zukünftigen Toten genießt und ehrt, hätte augenblicklich das Rechte richtig gelesen.

Dies ist zum Ende von Georg Kleins Essay, der Als Vortrag gehalten auf der Tagung Die Macht der Erinnerungen in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar am 12.Mai 2004 gehalten und nun in Verbotene Worte publiziert wurde, zu lesen.

 Political (In)Correctness 

posted by ush 11 years ago

Political Correctness regiert ja schon länger die angloamerikanische Welt und wurde auch bereits intern wie extern, heftig und sarkastisch kritisiert. Ich selbst fand sie, solange ich in Kanada lebte, gegenüber einem gewissen österreichischen Zwang zur schlechten Laune ja sehr angenehm, nützlich und hilfreich. Wie ärgerlich sie aber doch werden kann, geradezu beleidigend und bevormundend, zeigt Winfried Garschas in der neuen Themenkategorie Verbotene Worte veröffentlichter Essay über Namensgebung und Namensverlust.

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