Events | Calls - Part 9

posted by WFischer on 2007/03/13 10:30

[ events | calls ]

SOMMERAKADEMIE

Muliethnizität im lokalen Raum.
Europäische Städte im 19. und 20. Jahrhundert im Vergleich

(Herder-Institut Marburg)

Marburg August 2007

Herder-Institut e.V., 35307 Marburg
19.08.2007-30.08.2007, Marburg
Deadline: 31.03.2007

Bewerbungen mit einem kurzen Curriculum Vitae und einem 1-2seitigem
Abstract (möglichst in
digitaler Form) richten Sie bitte bis zum 31. März 2007 an heinh@herder-institut.de
(Details s.u.):


Multiethnizität im lokalen Raum. Europäische Städte im 19. und 20. Jahrhundert im Vergleich
Internationale und interdisziplinäre Sommerakademie des Herder
Instituts


Multiethnizität ist ein Phänomen, das in letzter Zeit vermehrte
Aufmerksamkeit auf sich zieht. Waren es lange Zeit primär
angloamerikanische Historiker, die das Erbe des Kolonialismus und die
eigene Erfahrung mit ethnischer Vielfalt zur Auseinandersetzung mit den
Problemen und Chancen multiethnischer Koexistenz anregte, so beginnt
sich auch die deutsche Geschichtswissenschaft zunehmend mit diesem Thema
zu beschäftigen. Die Vielfalt ethnischer Gruppen in Europa, die nach dem
Fall des Eisernen Vorhangs wieder deutlich wurde, die internationalen
Migrationströme sowie die akuten Konflikte, die sich aus der Konkurrenz
ethnischer oder konfessioneller Zugehörigkeit ergeben können, sind
maßgeblich für das gegenwärtige Interesse an Multiethnizität
verantwortlich. Zu deutlich hat die Wirklichkeit gerade des letzten
Jahrzehnts gezeigt, dass Klassenzugehörigkeit, obwohl sie nach wie vor
von großer Bedeutung ist, Ethnizität oder Religion nicht zu eliminieren
vermochte. Diese sind vielmehr in ungeahnter Stärke in die Geschichte
zurückgekehrt und beanspruchen dort ihren historischen Platz.

Wie Menschen mit Menschen anderer Sprache, Kultur oder Konfession
umgehen, lässt sich besonders trennscharf im lokalen Raum untersuchen.
Die Sommerakademie 2007 des Herder Instituts will sich dem Problem von
Multiethnizität daher anhand eines Vergleichs europäischer Städte
annähern, in denen unterschiedliche ethnische oder konfessionelle
Gruppen zusammenlebten. Diese Städte sollen primär unter der Leitfrage
untersucht werden, ob Multiethnizität notwendigerweise zu Konflikten
führt oder ob sich auch friedliche Formen des Zusammenlebens beobachten
lassen. Vier Untersuchungsebenen erscheinen weiterführend: Erstens sind
für einen solchen Vergleich grundlegende Fragen nach Migration,
Urbanisierung und Industrialisierung relevant. Damit verbunden ist die
statistische Erfassung von "Ethnizität", welcher anhand von
Selbstzeugnissen auch die jeweilige Selbstwahrnehmung der Protagonisten
gegenübergestellt werden soll. Zweitens interessiert die politische
Kultur dieser Städte. Wie ging die kommunale Politik mit der ethnischen
Vielfalt um? Ließen sich im Bildungsbereich, um ein besonders heiß
umkämpftes Konfliktfeld herauszugreifen, Lösungen finden, die einen
supraethnischen Konsens ermöglichten? Konnte vielleicht eine städtische
Sozialpolitik dort integrieren, wo Ethnizität zunehmend polarisierte?
Drittens wendet sich der Blick der Sommerakademie auf die kulturellen
Praktiken der städtischen Gesellschaften und fragt, welche Inhalte und
Handlungen, welche Traditionen oder Personen möglicherweise einen
‘common sense‘ zwischen den konkurrierenden Gruppen zu schaffen
vermochten. Wie sah es aus mit der Bedeutung, die beispielsweise
Stadtjubiläen, Denkmäler oder Raumentwürfe für die unterschiedlichen
Gruppen besaßen? Nicht zuletzt erscheint es viertens notwendig, den
spezifischen Ursachen von Gewalt nachzuspüren, in der sich ethnische
Konflikte im lokalen Raum häufig entluden, und nach den langfristigen
Folgen zu fragen, die solche Eruptionen für die jeweiligen
Gesellschaften nach sich zogen. Als chronologischer Rahmen wird vor
allem das 19. und 20. Jahrhundert gewählt, da mit Ethnizität erst in der
Moderne konkrete politische und kulturelle Forderungen verknüpft wurden.
Im selben Zeitraum wurden auch Phänomene wie Migration, Urbanisierung
und Industrialisierung für die europäischen Städte des 19. und 20.
Jahrhunderts zu einer neuartigen Herausforderung, deren Bewältigung auf
unterschiedliche Wege in die Moderne verweist. Nicht zuletzt
interessieren hier auch Probleme, die mit der Dekolonisierung in vielen
Metropolen Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
entstanden. In räumlicher Hinsicht strebt die Sommerakademie eine
gesamteuropäische interdisziplinäre Perspektive an, weswegen junge
Historiker, Kultur- und Sozialwissenschaftler mit Projekten zu west- und
ost(mittel)europäischen Städten gleichermaßen zur Bewerbung eingeladen
sind. Projekte, die über den engeren zeitlichen und räumlichen Rahmen
der Sommerakademie hinausgehen, die aber für die leitende Fragestellung
theoretisch oder methodisch aufschlussreich sind, werden gerne auf ihre
Eignung hin geprüft. Dem Arbeitsbereich des Herder-Instituts
entsprechend wird ein Schwerpunkt der Akademie auf den Städten
Ostmitteleuropas liegen. Deren komparative Einbettung in
gesamteuropäische Zusammenhänge stellt indes das erklärte Ziel dieser
Akademie dar. Die Sommerakademie wird Kursarbeit an theoretischen Texten
und Quellen sowie die Vorstellung eigener Projekte der studentischen
Teilnehmer beinhalten. Ergänzend treten Vorträge ausgewiesener
Wissenschaftler hinzu, die herausragende Arbeiten zu den Problemen
multiethnischer Räume vorgelegt haben oder theoretisch und methodisch
weiterführende Beiträge zur Stadt- und Urbanisierungsgeschichte
publiziert haben. Hieraus ergibt sich die Chance zum vertieften
Austausch über die theoretischen, methodischen und gegenstandsbezogen
Dimensionen der historischen Forschungen zu Multiethnizität und ihren
Folgen für eine Vielfalt an Identitätsbildung. Im Rahmen des
Begleitprogramms wird in zwei Abendveranstaltungen das Thema der
Sommerakademie aufgegriffen: An einem Abend wird ein Film über das
jüdische Leben in polnischen Städten der Zwischenkriegszeit gezeigt und
diskutiert; ein zweiter Abend stellt Lichtbilder über multiethnische
Städte Ostmitteleuropas in der Gegenwart vor, um den Teilnehmern die
behandelten Themen zu visualisieren.

Leitung
Die Sommerakademie wird gemeinsam von PD Dr. Ulrike v. Hirschhausen und
Dr. Heidi Hein-Kircher geleitet. Ulrike v. Hirschhausen vertrat 2005/06
die Professur für Kulturstudien Ostmitteleuropas an der Universität
Leipzig. Zurzeit lehrt sie Europäische Geschichte an der Universität
Hamburg und leitet das Forschungsprojekt "Empires. Multiethnische
Großreiche im 19. und 20. Jahrhundert im Vergleich". 2006 erschien in
den Kritischen Studien zur Geschichtswissenschaft "Die Grenzen der
Gemeinsamkeit. Deutsche, Letten, Russen und Juden in Riga 1860-1914."
Heidi Hein-Kircher ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im
Herder-Institut e.V. in Marburg und lehrt an den Universitäten Marburg
und Düsseldorf. Sie beschäftigt sich zurzeit vor allem mit der
Geschichte Lembergs im 19. und 20. Jahrhundert und der
Kommunalverwaltung in der Habsburgermonarchie. Ein weiterer Schwerpunkt
ihrer Forschungsinteressen liegt in der Geschichte der Juden im
östlichen Europa. 2002 erschien "Der Pilsudski-Kult und seine Bedeutung
für den polnischen Staat 1926-1939."

Referenten (Impulsreferate) der Sommerakademie
- Prof. Dr. Peter Alter (Duisburg-Essen): Belfast im Ersten Weltkrieg
- Dr. Heidi Hein-Kircher (Marburg): Kommunale Verwaltung in Lemberg
- PD Dr. Ulrike v. Hirschhausen (Hamburg): Abschlussvortrag
- Dr. Stefan-Ludwig Hoffmann (Bochum): Interzone Berlin. Zur histoire
croisée von Besatzern und Besetzen nach dem Schock der Gewalt
(1945-1949)
- Dr. Andreas Kossert (Warschau): Lódz und Manchester im Vergleich
- Prof. Dr. Friedrich Lenger (Gießen): Einführungsvortrag
- Prof. Dr. Jürgen Reulecke (Gießen): Urbanisierung und die Kritik am
Paradigma
- Dr. Eduard Winkler (Erlangen): Triest

Teilnehmer
Es stehen insgesamt 20 Plätze für qualifizierte
Nachwuchswissenschaftler/innen (vor allem Doktorand/inn/en) aus dem In-
und Ausland zur Verfügung, wobei mindestens die Hälfte der Plätze mit
Teilnehmer/innen aus dem Ausland vergeben wird. Die Reise- und ein Teil
der Aufenthaltskosten (Unterkunft im Studentenwohnheim und Mittagessen)
werden vom Herder-Institut übernommen. Die Teilnehmer/innen sollen
jeweils ein eigenes Projekt zur Geschichte von Multiethnizität im
lokalen Raum bearbeiten und dieses im Rahmen der Sommerakademie in einem
25-minütigen Vortrag zur Diskussion stellen. Tagungssprache ist Deutsch
und Englisch, soweit einzelne Vorträge in englischer Sprache gehalten
werden. Bewerbungsschluss ist der 31. März 2007. Mit der Anmeldung wird
neben Angaben zur Person (Lebenslauf, ggf. Publikationen) ein
Kurz-Exposé (1-2 Seiten) zum bearbeiteten Projekt erbeten. Aus den
Anmeldungen wird nach Bewerbungsschluss eine qualitative und thematische
Auswahl getroffen, um eine im Rahmen des Themas möglichst vielseitige
internationale und interdisziplinäre Veranstaltung zu ermöglichen. Die
Bewerber/innen erhalten bis Mitte Mai 2007 Nachricht, ob ihre Anmeldung
berücksichtigt werden konnte. Vor Beginn der Sommerakademie wird allen
Teilnehmern zur Vorbereitung ein Reader mit den Quellen und Texten
zugesandt, die der Kursarbeit zugrundegelegt werden. Es wird erwartet,
dass die Teilnehmer an der gesamten Sommerakademie teilnehmen.


Voraussichtliche Sektionen:


- Einführende Sektion: Vergleichende Stadtgeschichte heute
- Urbanisierung und Industrialisierung
- Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung
- Nationalisierung bzw. Konfessionalisierung
- Kulturelle Praktiken der städtischen Gesellschaft
- Vereinslandschaft und die Frage nach der "civil society"
- Gewalt und Krieg

Vorläufiges Programm

Sonntag, den 19.8.2007
Anreise

Montag, den 20.8.2007
9.00-10.45 Uhr Einführung
10.45-11.00 Kaffeepause
11.00-13.00 Uhr Führung durch das Herder-Institut
13.00-14.30 Uhr Mittagspause
14.30-16.00 Uhr Kursarbeit
16.30-18.00 Uhr Einführungsvortrag
ab 18.00 Uhr Begrüßungsabend

Dienstag, den 21.8. 2007
9.00-10.15 Uhr Kursarbeit
10.15-10.30 Uhr Kaffeepause
10.30-11.30 Uhr Bibliotheksarbeit
11.30-13.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und
Diskussion (je 25 Min. Vortrag und 20 Min. Diskussion)
13.00-14.30 Uhr Mittagspause
14.30-16.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und Diskussion
16.00-16.15 Uhr Kaffeepause
16.15-18.00 Uhr Impulsvortrag

Mittwoch, den 22.8.2007
9.00-10.15 Uhr Kursarbeit
10.15-11.15 Uhr Bibliotheksarbeit
11.15-11.30 Uhr Kaffeepause
11.30-13.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und Diskussion
13.00-14.00 Uhr Mittagspause
14.30-16.30 Uhr voraussichtlich Exkursion: Führung durch das
Landgrafenschloss, die alten Universitätsgebäude und die Altstadt von
Marburg
16.30-18.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und Diskussion

Donnerstag, den 23.8.20007
9.00-10.00 Uhr Kursarbeit
10.00-11.15 Uhr Bibliotheksarbeit
11.15-11.30 Uhr Kaffeepause
11.30-13.00 Uhr Vortrag eines Teilnehmenden und Diskussion
13.00-14.30 Uhr Mittagspause
14.30-16.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und Diskussion
16.15-16.30 Uhr Kaffeepause
16.30-18.00 Uhr Impulsvortrag
19.00-21.00 Uhr Abendveranstaltung

Freitag, den 24.8.2007
9.00-10.15 Uhr Kursarbeit
10.15-10.30 Uhr Kaffeepause
10.30-11.30 Uhr Bibliotheksarbeit
11.30-13.00 Uhr Impulsvortrag:
13.00-14.30 Uhr Mittagspause
14.30-16.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und Diskussion

Samstag, den 25.8.2007
zur freien Verfügung (evtl. werden Exkursionen organisiert)

Sonntag, den 26.8.007
zur freien Verfügung
Montag, den 27.8.2007
9.00-10.15 Uhr Kursarbeit
10.15-11.15 Uhr Bibliotheksarbeit
11.15-11.30 Uhr Kaffeepause
11.00-13.00 Impulsvortrag:
14.30-16.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und Diskussion
16.00-16.15 Uhr Kaffeepause
16.15.-17.00 Uhr ein Vortrag eines Teilnehmers und Diskussion
ab 18.00 Uhr Abendveranstaltung

Dienstag, den 28.8.2007
9.00-10.00 Uhr Kursarbeit
10.00-11.15 Uhr Bibliotheksarbeit
11.15-11.30 Uhr Kaffeepause
11.30-13.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer
13.00-14.30 Uhr Mittagspause
14.30-16.00 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer und Diskussion
16.00-16.15 Uhr Kaffeepause
16.15-18.00 Uhr Impulsvortrag

Mittwoch, den 29.8.2007
9.00-11.30 Uhr zwei Vorträge der Teilnehmer
11.15-11.30 Uhr Kaffeepause
11.30-13.00 Uhr Bibliotheksarbeit
13.00-14.00 Uhr Mittagspause
14.30-16.00 Abschlussvortrag
16.00-16.30 Kaffeepause
16.30-18.00 Uhr Abschlussdiskussion
ab 18.30 Uhr: Abschlussabend

Donnerstag, den 30.8.2007
Abreise

Heidi Hein-Kircher

Herder-Institut e.V.
Gisonenweg 5-7, 35037 Marburg
06421-184-110
06421-184-139
heinh@herder-institut.de

Homepage

Dieser Eintrag stammt von
H-SOZKULT


Antworten

Wien

WieHN-RAUM ist ein Weblog, das die Diskussionsreihe »Handlungsmöglichkeiten in der Großstadt – Wien um 1900« begleitet.
Das LBI für Stadtgeschichts-
forschung
ediert und publiziert zur Stadtgeschichte und veranstaltet die Diskussionsreihe.
Die Diskussionsreihe findet im Wiener Stadt- und Landesarchiv statt.
> RSS Feed RSS 2.0 feed for Kakanien Revisited Blog Wien

Calendar

Links