1, 2 Forint

posted by PP on 2008/02/25 21:42

[ Ungarn | Hungary ]

Am 1. März 2008 werden in Ungarn die 1- und 2-Forint-Münzen aus dem Verkehr gezogen. Eine von Stürmen durchzogene, durchaus auch glanzvolle Epoche geht damit endgültig zu Ende: Die fundamentale Wert- und Maßeinheit des ungarischen Sozialismus und  Postsozialismus hört auf zu existieren. Aktuell wird mittels eMail ein Aufruf verbreitet (Abb. der deutschsprachigen Fassung s.u.), aus diesem Anlass ein Denkmal zu errichten:

Lassen wir die Vergangenheit nicht spurlos verschwinden!
ERRICHTEN WIR EIN DENKMAL FÜR DIE 1- UND 2-FORINT-MÜNZEN!

Nähere Angaben:

Der Aufruf wie folgt:

Für 1 Forint konnte man noch vor einigen Jahrzehnten zwei kleine Kugeln oder eine grosse Kugel Eis bekommen - respektive einen Straßenbahnfahrschein. Und für 2 Forint vier kleine Kugeln, zwei grosse Kugeln und zwei Straßenbahnfahrscheine.
Heute bekommen wir für 1 Forint nichts, und für 2 Forint bekommen wir ebenfalls nichts.
Somit stehen die 1- und 2-Forint-Münzen für die gesamtgesellschaftliche Leistung einer vollständigen Inhaltsentleerung: Sie verkörpern ein postneoavantgardistisches Gemeinschaftskunstwerk.
 
ERRICHTEN WIR EIN DENKMAL FÜR DIE 1- UND 2-FORINT-MÜNZEN!
 
Der Bildhauer Mamikon Jengibarjan hat sich bereits erklärt, aus den zu diesem hehren Zweck gesammelten 1- und 2-Forint-Münzen das Denkmal der 1- und 2-Forint-Münzen zu schaffen.
 
Bürgerinnen und Bürger des Ungarnlandes!
Seien wir großen Mutes! Bringen wir ein Opfer für die Kunst! Geben wir unsere vielen messing- und silberfarbenen Nichtigkeiten zusammen, damit sie in der letzten Verschmelzung zu einem grossen Kunstwerk werden!
 
Schöpfen wir etwas aus dem Nichts!
 
ERRICHTEN WIR DAS DENKMAL FÜR DIE 1- UND 2-FORINT-MÜNZEN!

Ort und Zeit der Münzabgabe:

Die für die hohen Ziele der Kunst weggelegten 1- und 2-Forint-Münzen können am 3. März 2008 zwischen 16.00 und 02.00 Uhr im Café JELEN (Márkus Emília utca 2-4, am hinteren Ecke des Corvin-Warenhauses) abgegeben werden, wo an diesem Tag von den 1- und 2-Forint-Münzen empfindsam Abschied genommen wird.

Programm:

19.00 Uhr: Wenn die Kohle glüht. Der Verein "moralischer Kredit" stellt Fragen zum Geld

20.00 Uhr: István Grencsó und Hans van Vliet machen den 1- und 2-Forint-Münzen mit Blasinstrumenten den Garaus; Vortragskünstlerin Imola Kreutzer rezitiert Tihamér Holzgroschens Gedicht "Elegie an eine 1-Forint-Münze"

Vor, während und nach dem Programm allgemeine Herzempfindsamkeit und Abschiedsstimmung. Um passende Kleidung wird gebeten.

Wer verhindert ist kann die Münzabgabe bis zum 31. März jeden Tag im Café Jelen vollziehen!

Szia Forint!


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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