Call for Papers | Applications - Part 112

posted by peter on 2007/08/03 15:50

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Der Bulgarische Germanistenverband (Vorsitzende und Ansprechpartnerin: Assoc.Prof.Dr. Nikolina Burneva – BG-5003 V. Tărnovo, D. Naidenov-Str. 127/a) ist eine Vereinigung von HochschulgermanistInnen zum Zwecke der Berförderung interkultureller Prozesse und ihrer adäquaten Vermittlung in der Lehre und Forschung.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen naturgemäß immer wieder auch Fragen der Translation (Bulgarisch-Deutsch), wobei es in Bulgarien keine ausschliesslich auf Dolmetscher-/Übersetzer-Ausbildung spezialisierten universitären Strukturen gibt (sondern – bestenfalls – Studiengänge an den auch sonst bestehenden germanistischen Instituten). Insofern erhofft man sich nun synergetische Effekte aus der Zusammenarbeit von Fachkollegen aus diversen beruflichen Kreisen und Betätigungsfeldern auf der
Ersten Landeskonferenz des Bulgarischen Germanistenverbandes
am 12.-14. Oktober 2007, in Veliko Tărnovo. Eine Umfrage im Vorfeld hat hinsichtlich erwünschter Arbeitsgruppen folgende thematischen Rahmen erbracht:
  1. Arbeitsgruppe: Verfremdung vs. Angleichung in der Translation (Leitung: Prof. Dr.sc. Anna Dimova)
    Immer wieder wird die Diskussion erneuert, welches Prinzip man bei der Translation wählen sollte: die Beibehaltung des Fremden (nach Cicero ut interpres, nach Schleiermacher verfremdendes Übersetzen, im englischsprachigen Raum foreignizing, etc.) oder aber – die Angleichung an die eigene Tradtion (eindeutschendes bzw. bulgarisierendes Übersetzen, bzw. the domesticating translation). Natürlich hängt die Entscheidung an erster Stelle vom Texttyp und von der Textsorte ab, doch ist sie auch durch die einheimische Tradition und durch die Individualität des Übersetzers bedingt. Welche (weitere) Faktoren im Spannungsfeld zwischen beiden Polen von Bedeutung sind, sollte das eigentliche Thema dieser Arbeistgruppe sein. Anhand konkreter Übersetzungsprojekte werden Referenten und Diskussionsteilnehmer diesen Fragen nachgehen.
  2. Arbeitsgruppe: Transfer kultureller Realien (Leitung: Assoc.Prof. Dr. Nikolina Burneva)
    Die Qualität der übersetzten Texte geht aus der sachverständigen vergleichenden Analyse der Ausgangs- und der aufnehmenden Kulturen hervor. Unsere dynamische Gegenwart und die kulturellen Praktiken auf dem Balkan und in den deutschsprachigen Ländern erfordern eine vielfache Erforschung und permanene Aktualisierung von Raumvorstellungen, Konzepten für (historische) Zeit, Bildungsstandards und soziales Prestige, für Effektivität und Wohlstand, vom Verhältnis der Menschen zu den machttragenden Institutionen und Personen, in der Gesellschaft sowie von denjenigen Komponenten, welche die jeweilige(n) kulturelle(n) Indentität(en) formieren. Die professionelle Erkundung der Spezifik kulturgeschichtlicher Konnotationen und diverser stilistischer Register zur adäquaten Bezeichnung von Momenten der Bereiche Administration, Massenmedien, soziale Klassen, Mythen des Alltags, Ethnos und Nation, Religion und Bildungswesen u.s.w. führt zu fundierten Einsichten in Mentefakte, welche die interkulturelle Kompetenz steigern und die kommunikative Effizienz im sozialen Leben gewährleisten.
  3. Arbeitsgruppe: Übersetzung und Diachronie (Leitung: Assoc.Prof. Dr. Emilia Dencheva)
    Es mehren sich die Übersetzungen älterer Kulturdenkmäler ins Bulgarische. Nicht nur "Das Nibelungenlied" hat neulich das Publikum erfreut, nicht nur die frühen Bibelübersetzungen geben die Experimentiersprache erster volkssprachlicher Schriftlichkeit ab. Interessant erscheinen auch die frühen Rezeptionsprozesse fremder Kulturprodukte, die nicht direkt aus der Originalsprache, sondern über Drittkulturen in die bulgarische Einzug gefunden haben. Mehrere solcher Fälle sind faktologisch zwar schon erschlossen, bedürfen aber – angesichts neuerer kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse – aktueller Interpretationen und der verknüpfung mit immer neu aufleuchtenden Kontexten. Andere (verschlungene) Wege der Rezeption harren noch ihrer Entdeckung. Das Verhältnis von kulturhistorischem Zeitablauf und Prinzipien der Übersetzungswissenschaft wird im Zentrum der Fallstudien in dieser Arbeitsgruppe stehen.
  4. Arbeitsgruppe: Canetti-Begriffsregister (Leitung: Prof. Dr.sc. Penka Angelova)
    In seinen Aufzeichnungen hat Elias Canetti einen wichtigen Teil seiner theoretischen Betrachtungen über Anthropologie, Wissenschaftlichkeit, europäische Zivilisation, Zeitgeschichte und Menschheitsgeschichte untergebracht und die Grundbegriffe seines Begriffsapparates, der sich in keine Sparte der traditionellen Wissenschaften einordnen lässt, umrissen. Gerade durch den verstreuten Charakter seiner Aufzeichnungen ist der Zugang zu diesen Grundbegriffen wesentlich erschwert.
    Diese Problematik steht im Mittelpunkt auch der Übersetzung von Canettis Werken – die meistens als freie Entscheidung und Interpretation verstanden wird. An der sachkundigen Diskussion um die Überführung der Canettischen Terminologie aus dem Deutschen ins Bulgarische würden sich Vertreter mehrerer, benachbarter Disziplinen beteiligen. Aus der Kenntnis ihrer Fächer und einer Reihe von Diskursbegründern der Moderne (etwa Freud, Musil, Adorno usw.) und aus der Kenntnis von Canettis spezifischem Begriffsapparat sollten sie eine schon lange fällige terminologische Vereinheitlichung aushandeln. Diese würde den Zugang der bulgarischen Leser zu Canettis Theorie erleichtern und einen großen Beitrag für die noch anstehende Übersetzung der Gesamtausgabe von Canetti ins Bulgarische fundieren. Die Diskussion erfolgt am Beispiel folgender Begriffsfelder: Verwandlung; Entwandlung; Masse (geschlossene, offene, stockende), Meute/Haufen usw.; Maske; Figur; Maskensprung; Umkehrung; Stachel; Bilder; erfinden u.s.w.
  5. Arbeitsgruppe und Rundtischgespräch: Translation als Unterrichtsfach an bulgarischen Hochschulen. Traditionen und Innovationen (Leitung: Assoc.Prof. Dr. Ljudmila Ivanova)
    Die Übersetzung als Komponente des Fremdsprachenunterrichts hat seit jeher ihren gebührenden Platz an bulgarischen Hochschulen – schon am Eingang des Bildungsganges (als eine der Aufgaben in der Aufnahmeprüfung), während der gesamten Ausbildung (als Mittel der Sprachaneignung und der Überprüfung von Sprachkenntnissen verwendet) und am Ausgang (als Komponente des schriftlichen Staatsexamens – zum wichtigsten Verfahren der Auswertung erreichter akademischer Qualifikation). Der Stellenwert der Übersetzung in der Lehre hat ihre Begründung nicht (nur) in den traditionsreichen Bildungspraktiken des Landes, sondern in der großen Rolle, die sie in den kulturpolitischen Integrationsprozessen in Europa auch weiterhin spielen wird.
    Diese grundsätzliche Prämisse sowie das Aufkommen neuerer theoretischer und didaktischer Konzepte lassen den Bedarf an einer landesweiten Diskussion über bisherige Erfahrungen, die Bestandaufnahme und die Parameter künftiger Entwicklungen umso dringender erscheinen. Dabei dürfte von folgenden Fragestellungen ausgegangen werden:
    • Was wird übersetzt: Prinzipien der Textauswahl (sprachtheoretische, kommunikationspragmatische, berufsorientierte oder andere Erwägungen); Spezialisierungsgrad der ausgewählten Texte; Anwendungsfähigkeit der Übungstexte zur Übersetzung in der realen Verteilung von Wissen; Anteil der Übersetzung von Texten gegenüber der Übersetzung kleinerer Einheiten (Satz, Wortgruppe).
    • Warum wird übersetzt: Als Kontrollmechanismus der Sprachaneignung oder zur Sprachaneignung selbst? Zur Herausbildung übersetzerischer Kompetenz? Wie werden diese Zielsetzungen den Studierenden vermittelt?
    • Wie wird in der Situation der Lehre übersetzt: welche Hilfsmittel verden verwendet? Wie wird der Übersetzungauftrag (gegliedert) formuliert? In welchen Zeitparametern erfolgt die Übersetzung?
    • Wie erfolgt die Auswertung der Übungsübersetzungen: Was ist ein Übersetzungsfehler im Übersetzungsunterricht? Besteht eine Skala der Übersetzungsfehler?

Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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