Bücher | Books - Part 124

posted by peter on 2007/08/21 15:58

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"Starke Nerven" attestiert Christian Teichmann (HU Berlin) Francine Hirsch, wenn diese "Stalins 'Revolution von oben' und den Terrorcharakter seiner Herrschaft als 'state-sponsored evolutionism'" interpretiert oder "über die Folgen des Hitler-Stalin-Pakts für die sowjetische Nationalitätenpolitik" hinweggeht. Doch dessen ungeachtet fällt seine Rezension hinsichtlich
Hirsch, Francine: Empire of Nations. Ethnographic Knowledge and the Making of the Soviet Union. Ithaca: Cornell University Press 2005, 367 pp.
[ISBN 0-8014-8908-3; $ 27,95,-]
weitgehend positiv aus.
Hirsch sieht Teichmann zufolge einen zweifachen Schlüssel für mögliche Erklärungsansätze: einerseits eine "double assimilation" (zunächst klares nationales Identitätsbekenntnis und diesem folgend eines zum "sowjetischen Volk") und darauf aufbauend besagten "state-sponsored evolutionism", womit ein homogener, ideologiegesättigter Versuch des Regimes gemeint ist, alle Bewohner der Sowjetunion quasi evolutionär aus ihrer "Rückständigkeit" zu befreien.
Im ersten Teil [...] zeigt Francine Hirsch, dass sich die politische Allianz zwischen Ethnologen und Bolschewiki personell und konzeptuell lange vor der Oktoberrevolution angebahnt hatte. [...]
Im zweiten Teil [...] stellt Hirsch die Relevanz ethnologischen Wissens für die administrative und ideologische Formierung der Sowjetunion an drei Beispielen dar: der Volkszählung von 1926, der Festlegung von internen Grenzen (mit Schwerpunkt auf Mittelasien) sowie der Ausstellungsgestaltung in der Ethnographischen Abteilung des Russischen Museums in Leningrad.
Der dritte Teil [...] steht unter dem Titel "The Nazi Threat and the Acceleration of the Bolshevik Revolution". Die "Beschleunigung" der Kulturrevolution 1929 markierte einen Bruch in der ethnographischen Beschreibung des Imperiums. Es sollten nicht mehr "exotische Völker" untersucht, sondern die sich modernisierenden "sowjetischen Nationen" beschrieben werden.
Und abgesehen von den genannten Einwänden kommt Teichmann zum Schluss:
Mit "Empire of Nations" ist Francine Hirsch eine tiefschürfende und anregende Studie über die Konzeption und Realisierung der sowjetischen Nationalitätenpolitik gelungen. Nüchtern und sachlich behandelt sie die "Sowjetisierung" der Ethnologen mit ihren einschneidenden und erschreckenden Folgen. Detailreichtum und griffige Begriffsynthesen faszinieren und werfen eine Vielzahl weiterführender Fragen auf.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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