Veranstaltungen | Events - Part 147

posted by PP on 2007/03/15 13:54

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Eva Anne Frantz (Institut für Osteuropäische Geschichte, Universität Wien) hat auf H-Soz-u-Kult einen ausführlichen wie genauen und also informativen Tagungsbericht zur Konferenz Revisiting South Eastern Europe. Comparative Social History of the 19th and 20th Centuries (25.-28.01.2007, Bochum) publiziert. Frantz: "Die Konzeption der Konferenz beruhte auf der Beobachtung, dass Südosteuropa in der vergleichenden Geschichte bislang stark vernachlässigt geblieben ist. Ziel war es also, auf möglichst breiter Grundlage Potentiale und Fallstricke einer stärkeren Einbeziehung des Balkans in die europäische Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts zu problematisieren."
Die Schwerpunkte der fünf Sektionen der folgenden zweieinhalb Tage lagen auf Mental Maps, Erinnerungskulturen und ihrer Anbindung an sozialhistorische Prozesse, auf den Beziehungen zwischen Struktur und Akteur, insbesondere beim Widerstand gegen, sowie der Anpassung an Sozialstrukturen, auf Faschismusgeschichte sowie auf Identitätsbildungsprozessen.
Was diesen Bericht so lesenswert macht, sind einerseits das genaue Eingehen auf methodische Fragen und Problemstellungen, andererseits der Blick für die sich ergebenden Zusammenhänge im Lichte einer europäischen Geschichtsschreibung (dazu führte Holm Sundhaussen seine Kritik an Maria Todorovas Ansatz aus und befürwortete in Auseinandersetzung mit ihrem Konzept einer "relativen Synchronität" in Bezug auf die europäischen Nationalismen die Aufmerksamkeit des Historikers auf zeitliche Abfolgen), die ihre Ausdifferenzierungen oft nicht hinreichend reflektiert (Frantz führt übrigens gegen Ende ihres Berichts auch "Verbindungsstücke" an, "die sich im Zuge der Diskussionen als konzeptuell förderlich für eine stärkere und gleichwertige Einbindung Südosteuropas in die europäische Geschichte erwiesen"):
In den Diskussionen traten die methodischen, konzeptuellen und inhaltlichen Verflechtungen sehr deutlich zutage, weswegen deren Ergebnissen hier mehr Raum gewidmet sei als den, vielfach auch an sich spannenden, Einzelbeiträgen. Im Zentrum stand die Sichtbarmachung von Vergleichsmöglichkeiten im Lichte der Frage, ob und wie Südosteuropa verstärkt in die europäische Geschichtsschreibung zu integrieren sei. [...] Es wurde gefordert, Mental Maps nicht länger entlang des Rückständigkeitsparadigmas zu pflegen, sondern dazu überzugehen, Transfermuster und Kommunikationsdynamiken durch empirische Forschungen sichtbar zu machen: Was und wie lernte der Balkan über Europa? (Mishkova) Insgesamt wurde deutlich, dass Mental Maps und Diskursanalysen am überzeugendsten sind, wenn sie an sozialgeschichtliche Parameter rückgebunden werden.
Es wurde bekräftigt, dass man Identitäten an sich nicht vergleichen könne, sondern Institutionen, Organisationen und Artikulationen bzw. Diskurse, durch die Identitätsbildungsprozesse sichtbar gemacht werden könnten (Welskopp). Dies stellte in gewisser Weise die thematische Einteilung der Panels, die ja in zwei Fällen die Identitäten im Titel trugen, in Frage, und in der Tat erwiesen sich die Anknüpfungspunkte zwischen den Sektionen als mindestens ebenso ertragreich wie innerhalb der Panels selbst.
Einer der wichtigsten sich herauskristallisierenden Fragen war die, wie sich ethnische oder nationale Zugehörigkeiten mit anderen Loyalitäten verbanden bzw. wie verschiedene Identitäten und Loyalitätsebenen in Konflikt zueinander standen. [...]
Saids Orientalismus und Todorovas Balkanismus, aber auch jeder pauschal angesetzte Okzidentalismus seien angesichts einer Vielzahl unterschiedlicher existierender Transfermuster und Kommunikationskanäle einer kritischen Stellungnahme zu unterziehen.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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