Erinnerung | Memory - Part 55

posted by PP on 2006/07/31 15:49

[ Erinnerung | Memory ]

Juliane Brandt hat für H|Soz|u|Kult
Krista Zach, Cornelius R. Zach (Hgg.): Deutsche und Rumänen in der Erinnerungsliteratur. Memorialistik als Geschichtsquelle.München: IKGS Verlag 2005 (Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas), 290 pp.
[ISBN 3-9809851-0-5; EUR 19,50,-]
rezensiert, wobei sie die Publikation grundsätzlich für durchaus positiv befindet, jedoch hinsichtlich einiger Beiträge eine differenzierte Kritik formulieren muss.
Wie in anderen postkommunistischen Ländern besteht auch in Rumänien Nachholbedarf hinsichtlich der Publikation und Auswertung von Erinnerungsliteratur. Der vorliegende Band, Ergebnis einer vom Münchener Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas und dem Iasier-Xenopol-Institut 1999 veranstalteten Tagung, versucht diese Lücke zu schließen – mit interessanten, wenn auch nicht in jeder Hinsicht befriedigenden Ergebnissen. Die sechzehn Aufsätze stellen wichtige Gattungen und Einzelquellen der Memorialistik zu Rumänien vor und erkunden ihre Aussagekraft anhand von Fallstudien. Zeitlich wird die Entwicklung von 1848 bis in die Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg behandelt. Die ausgewerteten Texte stammen von Menschen aus nahezu allen Schichten der Gesellschaft, freilich mit dem auch andernorts zu beobachtenden Schwergewicht auf den Reflexionen der Vertreter des öffentlichen Lebens, der Literatur und der Politik im regionalen und staatlichen Rahmen. Neben Analysen einzelner Quellen stehen Überblicke über die Erinnerungsliteratur verschiedener Gruppen bzw. über bisherige Aufarbeitungen memorialistischer und verwandter Quellen. Gerade wo es nicht nur um die Erinnerungen Einzelner oder die Rekonstruktion der Sichtweise relativ homogener bzw. politisch akut homogenisierter Gruppen geht, sondern um das Zusammenleben in dem multiethnischen und multikonfessionellen Kontext Rumäniens, wird aber auch deutlich, wo Quellen fehlen. Mitunter sind sie noch nicht gefunden oder erschlossen, in anderen Fällen sind sie nur für bestimmte Milieus mit besonderer Reflexionskultur oder zur Rückschau wie zur reflexiv-persönlichen Würdigung der eigenen Lage entstanden. So macht der Band auch Grenzen des Forschungsstandes und künftige Aufgaben deutlich. Mitunter illustrieren Beiträge zu verwandten Themen implizit auch die unterschiedlichen Wissenschaftskulturen und -subkulturen in Deutschland und Rumänien. Im Interesse der Zusammenarbeit vieler Autoren haben die Herausgeber - möglicherweise aus diplomatischen Gründen - auf Eingriffe und Nachfragen auch dort verzichtet, wo diese vielleicht angebracht gewesen wären. [...]
Die Ergebnisse der Studien werden dem Leser auch in ein- bis zweiseitigen Resümees in rumänischer Sprache präsentiert. Der Band enthält zudem ein ausführliches Personenregister, in dem zur Freude all derer, die den hier formulierten Fragen und Denkansätzen nachgehen wollen, auch Nennungen in den Fußnoten sorgfältig berücksichtigt wurden.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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