Bücher | Books - Part 93

posted by PP on 2006/07/28 19:17

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Vor genau vier Monaten hier bereits vorgestellt, liegt nun seitens des Standard eine Rezension von Berthold Molden zu
Verena Moritz, Hannes Leidinger: Die Nacht des Kirpitschnikow. Eine andere Geschichte des Ersten Weltkriegs. Wien: Zsolnay 2006, 320 pp.
[ISBN: 3-552-06029-4; EUR 24,90 (D), EUR 25,69,- (A)]
vor, der die Publikation als "eine lebendige Einführung in grundsätzliche Fragestellungen der modernen Geschichtswissenschaft [...], die nicht nur ein akademisches Publikum, sondern auch Laien zu packen vermag" einschätzt.
Auszug:
Wer bestimmt den Lauf der Geschichte - die strukturelle Macht historischer Entwicklung oder der freie Wille der Menschen? Und weiter: Wo liegt der Schlüssel zur geschichtlichen Erklärung - im momenthaften, dramatischen Ereignis oder in den langfristigen Strukturen von Gesellschaft und Natur? Dies sind große Fragen der Geschichtsphilosophie, über die schon mancher Fachstreit tobte. Die österreichischen Historiker Hannes Leidinger und Verena Moritz haben sie für ein breites Publikum aufgearbeitet - anhand einer anderen Geschichte des Ersten Weltkriegs.
In Fachkreisen bekannt durch fundierte und innovative Studien zur Geschichte des Ersten Weltkrieges und der revolutionären Periode der Nachkriegszeit, betraten sie mit dem Schwarzbuch der Habsburger erstmals populärwissenschaftliches Terrain. Nun haben sie sich vorgenommen, ein interessiertes und fachfremdes Publikum in die "Werkstatt" bzw. das "Abenteuer" Geschichte einzuführen. Fünf Ereignisse des Ersten Weltkriegs, die die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts entscheidend beeinflusst haben, werden unter die ereigniskritische Lupe genommen: Österreichs Ultimatum an Serbien, die Schlacht an der Marne, der Vorabend der Februarrevolution in Petrograd, der Ausbruch des russischen Bürgerkrieges in Sibirien und die Niederschlagung des Matrosenaufstands in Kiel, die den Sturz der deutschen Monarchie einleitete. Um sie geht es - nach einer geschichtsphilosophischen Einleitung - in den fünf kurzweiligen Episodenstudien des Buches. Am Ende steht für Leidinger und Moritz eines fest: "Die 'Momente' sind die eigentlich menschliche Dimension der Historie."
In derartigen Flaschenhälsen der Geschichte haben Intellektuelle wie Stefan Zweig immer wieder nach der Triebkraft historischer Entwicklung gesucht. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass diese Momente der Verdichtung und Beschleunigung sich durch eine besondere Dramatik auszeichnen. Da die Historiografie ein narratives Handwerk ist, greift sie dankbar nach solchen Themen, die sich nicht nur spannend erzählen lassen, sondern den Lesern auch das ermächtigende Gefühl geben, Menschen hätten tatsächlich Einfluss auf den Lauf der Dinge. Der Blick auf das Helden- und Schicksalhafte jener Augenblicke, in denen Geschichte von willensstarken Einzelnen scheinbar "gemacht" wird, wurde andererseits vor allem von linken Historikern zu Recht kritisiert, weil er die Sicht auf entscheidende ökonomische Machtverhältnisse verwehrt.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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