Science- | -Politics - Part 3

posted by PP on 2006/06/20 00:00

[ Science- | -Politics ]

Worauf netbib hinweist: Dass in der FAZ ein überaus bemerkenswerter Beitrag von Mirjam Schaub zu lesen ist, die an der FU Berlin Philosophie unterrichtet: Streikaufruf. Alle Bücher stehen still.
Sie verweist auf entsprechende Zahlen des Wissenschaftsrates, schätzt Möglichkeiten von Geistes- und KulturwissenschafterInnen ab, verteidigt deren Studienentscheidung gegen das Verdikt der sich unmittelbar aufdrängenden Verwertbarkeit:
Es sind die privaten Stiftungen, welche die Lücken in der Grundausstattung der Universitäten zu schließen, ein Leer- und Stumpfwerden des Denkens zu verhindern versuchen, etwa, indem sie Wissenschaftlern ein „opus magnum“ finanzieren oder jungen Forschern als Dilthey- oder Schumpeter-Fellows eigenverantwortliches Arbeiten ermöglichen. Aber den wachsenden Zynismus der politischen Klasse halten sie damit nicht auf.
Deren Politik hat durch die neue, angeblich leistungsbezogene Besoldung bereits zu einem Kriterienkatalog geführt, der die Geisteswissenschaften strukturell benachteiligt und Neuberufene mit Gehältern abspeist, die das Ernähren einer Familie mit Kindern unmöglich macht. Die Ärzte streiken dafür, ihre Überstunden entgolten zu bekommen, den jungen Professoren hat man die Gehälter noch weit drastischer gekürzt. Während die hochkarätigen Wissenschaftler in Berlin noch über das „Wunder“ rätselten, warum widrige Bedingungen den Forscherdrang des Nachwuchses nicht haben abtöten können, werden im Gewand von Studienreformen neue Sparpläne durchgedrückt, berufen ostdeutsche Universitäten weiterhin Privatdozenten jenseits der Fünfzig, während die junge Literaturwissenschaftlerin nach Korea auswandert. [...]
Dabei greift unsere Gesellschaft bis heute wie selbstverständlich auf Menschen zurück, die sich in mehr als zwei Sprachen in Wort und Schrift klar, verständlich und dennoch konziliant auszudrücken vermögen. Sie zählt auf deren Fähigkeit, zwischen verschiedenen Sprachkulturen und Denkstilen das Interessante zu finden, weil sie Sachlagen, Befindlichkeiten und Machtverhältnisse analysieren, vergleichen und gegeneinander abwägen können.
Ein solidarischer Streik aller Geisteswissenschaftler, initiiert an all jenen Stellen, an denen sie heute arbeiten, was würde er die Republik kosten? Er würde über Nacht Politik und Justiz lähmen, die Theater verdunkeln und die Arbeit der Redaktionen stillegen. Sie meinen, das übertrifft Ihre Vorstellungskraft? National ausgerufene Deutungsstreiks, offensive Sinnproduktionsdrosselung, bis hin zu Interpretationsstopp und Kommunikationsverweigerung?

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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