Bücher | Books - Part 76

posted by PP on 2006/05/26 18:15

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David Feest hat auf H|Soz|u|Kult seine nicht übertrieben positive - genauer: höchst kritische - Rezension zu:
Kulikov, S. V.: Die bürokratische Elite Russlands am Vorabend des Falls der alten Ordnung [Bjurokratitscheskaja Elita Rossijskoj imperii nakanune padenija starogo porjadka] (1914-1917). Rjasan: Tribunskii 2004 (Noveischaja rossijskaja istorija. Issledovanija i dokumety 4), 467 pp.
[ISBN 5-94473-006-4]
publiziert.
Nach der neuen Darstellung S. V. Kulikovs, die auf Studien zu seiner Dissertation an der Europäischen Universität St. Petersburg basiert, bergen eben diese zweieinhalb Jahre den Schlüssel zu der alten Frage, was die primären Ursachen für den Untergang des Zarenreichs waren: Waren es gesellschaftliche Widersprüche, Spannungen zwischen Gesellschaft und Staatsmacht oder der desaströse Kriegsverlauf? Nichts von alledem, meint Kulikov. Für ihn war es in erster Linie der Staat selbst, der sich in diesen Jahren sein Grab schaufelte. Die wesentlichen Auseinandersetzungen fanden nicht zwischen der Staatsmacht und einer von ihr entfremdeten Gesellschaft statt, sondern innerhalb der höheren Schichten der Staatsverwaltung. Eine Grundthese des Buches lautet, dass die Revolution von oben kam und die Volksmassen erst spät ergriff.
Diese These allein ist noch nicht so bemerkenswert: Auch sozialhistorisch orientierte Wissenschaftler haben die Rolle der Staatsmacht in diesem Prozess meist als sehr wichtig eingeschätzt. Bemerkenswert ist vielmehr, dass der schwarze Peter nicht der Starrsinnigkeit der alten, sondern der Ungeduld der liberalen Eliten zugeschoben wird und dass diese Argumentation mit einigem Aufwand, aber fast monokausal durchgezogen wird. Kulikov schreibt eine Elitengeschichte, deren Akteure in der obersten Schicht der Staatsbürokratie in St. Petersburg zu finden sind. [...]
Die Darstellung der Elitenintrigen aber erklärt nicht so viel, wie der Autor annimmt. Sicher ist es instruktiv zu erfahren, was etwa an Gerüchten um die Deutschenfreundlichkeit Stürmers oder den Einfluss der Camarilla um Zarengattin Alexandra Fjodorowna und Rasputin auf die Regierungsbildung wirklich dran war. Um die Geschichte der Revolution zu verstehen, wäre es aber ebenso wichtig zu klären, woher das Misstrauen gegen die Regierung kam, das Ausdruck in Gerüchten über "dunkle Mächte" fand.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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