Bücher | Books - Part 68

posted by PP on 2006/04/18 09:37

[ Bücher | Books ]

Eric J. Engstrom hat Hans-Georg Hofers Buch
Nervenschwäche und Krieg. Modernitätskritik und Krisenbewältigung in der österreichischen Psychiatrie (1880-1920). Wien: Böhlau 2004, 443 pp.
[ISBN 3-205-77214-8; EUR 45,-]
für H|Soz|u|Kult besprochen und dabei nicht mit Lob gespart.
Einleitung wie Schluss der Rezension:
In seinem Buch "Nervenschwäche und Krieg" hat Hans-Georg Hofer eine Geschichte der Neurasthenie vorgelegt, die der Komplexität und Kontingenz ihres Gegenstandes gerecht wird. Unter Anwendung eines explizit sozial-konstruktivistischen und kulturhistorischen Ansatzes sieht er die Neurasthenie in ununterbrochenem "Austausch mit den kulturellen Selbst- und Weltdeutungen der Zeit". Dementsprechend war sie kein "internes Forschungsgebilde der Psychiatrie", sondern eine "kulturelle Wissensformation, die [...] mit Signifikanten, Symbolen und Diskursen" (S. 18) stark aufgeladen war. Im Kontext von Modernitätskritik und als Krisenbewältigungs- bzw. Orientierungsstrategie diente sie als "sprachliches Symbol und Vehikel lebensweltlicher Sinnstiftung" und eröffnete "neue Spielräume für die Wahrnehmung und Deutung der 'sozialen Wirklichkeit'"” (S. 22). Das Buch lotet diese Spielräume am Beispiel Österreichs zwischen 1880 und 1920 aus.
Um seinem kulturhistorischen Ansatz ein noch schärferes Profil zu geben, distanziert sich Hofer von mehreren gängigen Topoi in der historiographischen Literatur. [...]
Das Schlusskapitel bietet seinen Lesern etwas, das heutzutage aus der Mode zu kommen scheint: eine echte Zusammenfassung. Hier, auf zehn Seiten komprimiert, erhält man noch einmal eine kohärente und immer noch differenzierte Darstellung der wichtigsten Erkenntnisse des Werkes. Dies sollte freilich niemanden von einer eingehenden Lektüre des Buches abhalten.

http://www.kakanien.ac.at/static/files/30466/nervenschwaeche.gif


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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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