Bücher | Books - Part 8

posted by PP on 2005/04/10 17:12

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Familiengeschichten scheinen sich nicht nur an sich, sondern auch hinsichtlich einer mit ihnen gegebenen besseren Vermittelbarkeit von Zeitläuften durchaus größeren Zuspruchs zu erfreuen.
Morgen findet die Präsentation des Bandes Left Behind in Nazi Vienna von H. Pierre Secher statt.
Zwei Tage später wird Sabine Mayrs Die Sternfelds. Biografie einer Familie der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben anderen werden Brigitte Bailer-Galanda, Avshalom Hodik, Lucian O. Meysels und Hannah Lessing das Buch präsentieren (13. April 2005, 19.00 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum, Seitenstetteng. 4, 1010 Wien).
Die Publikation, die im seitens der Republik Österreich angesetzten "Gedankenjahr" 2005 auch einen der vielen wichtigen kleineren Beiträge zur Debatte um die politische Kultur in Österreich darstellt, erschien im Mandelbaum Verlag, der Pressetext dazu lautet wie folgt...
Albert Sternfeld, bekanntes Mitglied der Kultusgemeinde, und die Autorin erzählen gemeinsam die Geschichte der Familie Sternfeld, die väterlicherseits aus Südmähren stammt und sich Anfang des 19. Jahrhunderts in der damals ungarischen Gegend um Bratislava/Preßburg oder Pozsony niederließ. Für die fromme jüdische Familie hatte die Nähe zur Stadt, in der einst Chatam Sofer eine Jeschiwa gegründet hatte, religiöse Bedeutung. Chaja und Elieser Sternfelds Sohn Michael Sternfeld zog als junger Mann nach Wien, ließ sich in der Leopoldstadt nieder und erarbeitete sich eine anerkannte Position im Wiener Bürgertum. Michael Sternfeld war im Vorstand der Wiener Kultusgemeinde und Vorstand des orthodoxen Synagogenvereins Schiffschul, in dem sich die in der jüdischen Tradition tief verwurzelten ungarischen, mährischen, burgenländischen Juden in Wien versammelten.
Vom „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Familie Sternfeld unvorbereitet überrascht. Innerhalb weniger Wochen verlor Michael Sternfeld, der von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen wurde, sein gesamtes Vermögen. Mit dem nackten Leben davongekommen, rettete sich die Familie nach England und Palästina, wo Michael Sternfeld 1943 an den Spätfolgen seiner Gestapohaft starb.
Albert Sternfeld kam im Dezember 1938 mit einem Kindertransport nach England und sodann mit dem letzten Frachtschiff, das am 3. Mai die Straße von Gibraltar in Richtung Mittelmeer passierte, nach Palästina. Mit achtzehn Jahren meldete er sich 1943 zu den britischen Streitkräften, wurde als Mitglied der Royal Air Force in der Nähe von Kairo stationiert und engagierte sich für die Bewegung Freies Österreich. Nach der Staatsgründung Israels war Albert Sternfeld gemeinsam mit dem späteren israelischen Staatspräsidenten Ezer Weizmann unter den Gründern der Israel Air Force.
1966 kehrte Albert Sternfeld nach Österreich zurück, wurde Direktor der Wiener Rückversicherungsgesellschaft und später der Donau Versicherung. Hautnah erlebte er das Tauziehen der beiden Großparteien um die "Ehemaligen", die dann auch Ministerwürden erlangten.
Als im Zuge der "Waldheim-Affäre" erstmals über die Mittäterschaft großer Teile der österreichischen Bevölkerung im nationalsozialistischen Verbrecherregime diskutiert wird, arbeitet Albert Sternfeld erste Vorschläge zur Entschädigung österreichischer NS-Opfer aus. In österreichischen und ausländischen Medien erscheinen Sternfelds pointierte Artikel und 1988 sorgt sein Buch „Betrifft: Österreich. Von Österreich betroffen“ für Wirbel.

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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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