Alte und neue Kärntner Gedankengänge

posted by Elena Messner on 2008/03/31 13:01

Eine Buchpräsentation der kontrovers aufgenommene und vieldiskutierten Buchpublikation Kärnten neu denken (Autoren: Josef Feldner, Marjan Sturm) ist nun auf Kakanien zu finden. An dieser Stelle sollen einige wenige exemplarische Reaktionen auf das Buch versammelt werden. Diese Reaktionen sind als Stichproben aus den v.a. in Kärnten breit diskutierten Debatten um die Problematiken und Leistungen des Buches zu verstehen.

Positive Pressemeldungen zum Buch (von Der Standard, Die Presse, Kleine Zeitung) sind hier zu finden. Daraus ein kurzer Ausschnitt:

  • Klagenfurt - "Kärnten anders denken." Das wollen Marjan Sturm, Vorsitzender des linksgerichteten Zentralverband der Kärntner Slowenen, und Josef Feldner, Obmann des Kärntner Heimatdienstes, der als Hort rechter Kärntner Gesinnung seit Jahrzehnten die Volksgruppen-Politik in diesem Land quer durch alle politischen Lager dominiert hat. Nun haben beide ehemals erbitterten Gegner in ihrem gleichnamigen Buch aufzuzeigen versucht, dass es möglich ist, Auswege aus der historisch belasteten Konfliktsituation um das zweisprachige Kärnten zu finden. Durch ihr demonstratives Abrücken vom ewigen Repetieren überholter nationalistischer Denkmuster von den bösen Slowenen, die den guten (Deutsch)-Kärntnern das Heimatland rauben wollen, haben sie in der Ortstafel-Frage jenen "historischen Kompromiss" zwischen Slowenen- und Kärntner Heimatverbänden geschaffen, der als Konsensvorschlag Grundlage für eine Lösung der Ortstafel-Frage sein könnte. (Der Standard)

Peter Gstettner etwa kritisierte das Buch scharf auf Kärnöl. Sein Fazit kann verkürzt wiedergegeben werden:

  • Objektiv hat der "Dialog" die Funktion, die Geschichte des KHD zu verschleiern und zu schönen. Das vorliegende Buch unterstützt durch die Bindung des ethnischen Konflikts an zwei "Repräsentanten" eine personalisierte Deutung der Geschichte. Das heißt: "Feldner und Sturm im Dialog" befördern die Entpolitisierung der konfliktreichen Beziehungsgeschichte zwischen Mehrheit und Minderheit. Die Funktion des Dialogs ist deshalb oberflächliche Befriedung und nicht ehrliche Aufklärung. Aufklärungsarbeit und vermehrte Aktivitäten der Politischen Bildung wären in Kärnten aber dringend notwendig.

Auch Dr. Avguštin Malle rezensierte das Buch, ebenfalls durchaus kritisch, wenn auch weniger scharf als Gstettner. Sein Fazit kann folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • Der Dialog wiederholt Positionen, die aus der Presse bekannt sind, er serviert sie in konzentrierter Form. In einigen Gesichtspunkten überschätzt er die Möglichkeiten von Nichtregierungsorganisationen bei der Lösung von offenen Fragen. Die Kärntner Slowenen sind zwar willkommene Gesprächspartner in Ljubljana, es muss aber stark bezweifelt werden, dass sie die Minderheitenpolitik dieser oder einer anderen Regierung in irgendeiner Weise beeinflussen könnten. Diese folgt ähnlichen Machtprinzipien wie die österreichische. Es ist keine Tragödie, dass sich Sturm mit Feldner an einen Tisch gesetzt hat.

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