Themenheft Wendezeiten - 1956

posted by Amalia Kerekes on 2007/11/23 19:38

Die von zwei jungen Münchner HistorikerInnen verfasste empirische Studie über die Erinnerung an den Ungarnaufstand 1956 im Spiegel der deutschen Presse 2006 wartet mit brisanten Befunden zur Ost-West-Teilung der Presselandschaft in Deutschland auf.

Die im Fall der ostdeutschen Presse herausgestellten dominanten Phänomene wie die Wertfreiheit in der weltpolitischen Kontextualisierung, der Hang zur Depolitisierung der Ereignisse sowie das Fehlen der Berichte von Zeitzeugen werden von Markus Breunig und Maria Graul der Praxis der "Expertenkenntnisse" und "Prominenz" bevorziehenden westdeutschen Presse entgegengesetzt. Als Grund für die Abweichungen geben die AutorInnen die Diskurshoheit von Figuren wie Lendvai und Dalos an, der die vergleichsweise heterogenen Foren und biografisch kaum identifizierbaren Berichterstatter der ostdeutschen Presse nicht aufwiegen können. Der Grund dafür, warum nur auf der anekdotischen Ebene an das Gedächtnis ostdeutscher LeserInnen appelliert wird, wäre m.E. weiterer Überlegungen wert, denn gerade in Hinblick auf die von Lendvai und Dalos gesicherte Kontinuität in der Erinnerungskultur Westdeutschlands wäre das ostdeutsche Changieren zwischen dem zum gemeinsamen Gut gewordenen anekdotischen Gedächtnis und der Neutralität in allgemeineren Wertungsfragen eine relevante Fragestellung.


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