Geisteswissenschaften - Part 8

posted by usha on 2007/10/03 08:06

[ Geisteswissenschaften ]

Der jüngst vergangene Germanistentag stand also im Zeichen der Evolutionsbiologie, so schriebe Oliver Jungen in der FAZ am 28.09. Der Artikel ist leider schon nicht mehr kostenfrei einsehbar, so dass ich mich mit der Zusammenfassung auf der Wissenschaftsjahr 2007-Seite begnügen muss.

Dieser kurze Ausschnitt verzerrt allerdings auch, betrachtet man das umfangreiche Programm, in dem die 'klassischen' Fragen der germanistischen Literatur- und Kulturwissenschaft von der Ästhetik über das Spiel, Kommunikation, Medialität, Bildung und Gedächtnis die Diskussion leiten. Dass die zugegebenermaßen wiedergängerische Dichotomie "Natur/Kultur" die Strukturierung der Tagung besorgte, wirkt auf mich eher anachronistisch als modisch.

Problematisch an einer Wendung zur Biologie oder Evolutionsbiologie eines philologischen Faches scheint mir weniger das Liebäugeln oder was immer mit naturwissenschaftlichen Verfahren (das Fehlen von Schnittstellen zwischen den Disziplinen und Diskursen wäre eher grob bedenklich), als vielmehr eine nachhaltige Bestätigung der anthropologischen Differenz zum Animale durch Sprache. Annäherungen an Großthemen wie den Körper, die Natur etc. kann hier immer nur auf der symbolischen Ebene stattfinden. Diese Einschränkung und diesen Gewinn, das 'Dwelling in the Realm of Metaphor', bleibt meinem Gefühl nach gewahrt.

Wie immer, eine Evolutionsbiologie der Sprachen/Literaturen zu schreiben, wäre ein durchaus lohnendes Unternehmen, das in wesentlichen Ansätzen ja schon in Angriff genommen wurde.


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