Sind Weblogs Monster? | Are Weblogs Monsters? - Part 25

posted by usha on 2006/09/15 07:49

[ Sind Weblogs Monster? | Are Weblogs Monsters? ]

Sozial sind sie, die Weblogs. Gesellschaftswesen also aus der Rubrik der "social software". Während das Internet insgesamt ja auch als Lernmaschine bezeichnet wurde, werden Weblogs als Lerntagebücher geführt.

Der Artikel reiht in sich in die zuversichtliche Sicht auf den Nutzen und Vorteil der Technik, einer solchen noch dazu, die Herzen, die in den 1960er und 70er Jahren im Zusammenhang mit studentischen Befreiungsschlägen geschult wurden, höher schlagen lassen. Weblogs sind nämlich nicht nur sozial, sondern tragen zugleich die Fähigkeit in sich, Kritik fördernd und damit leicht "subversiv" zu sein:

Weblogs sind ein ideales Werkzeug dafür, wenn Lernen weniger als Weitergabe von kodifiziertem Wissen und mehr als Konversation und Bedeutungsstiftung der Lernenden verstanden wird. Weblogs könnten für das Internet nach Ansicht von Experten auch ein sozialer Raum und Wissensspeicher werden, der sich selbst erzeugt und weiter trägt. Weblogs könnten auch eine neue Wissenskultur fördern, die von der traditionell kompetitiv organisierten Wissensvermittlung zu einer solidarischen Lernkultur führt, die zur Kooperation und Diskussion v on Wissenschaft und ihren Produkten einlädt, oder auch nur die Fähigkeiten der Mitwirkenden sammelt und festhält.
Es ist ja nicht so, dass das alles nicht stimmen würde. So ist die Idee, nur werden fast unmerklich die Agencies vertauscht. Das Weblog als technische Einrichtung mit verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten macht natürlich gar nichts. Es ist weder sozial, noch könnte man es sozialisieren und den passenden unterstützenden, kommunikativen etc. Umgang mit anderen Weblogs lehren. Es ist auch nicht kritsch oder subversiv. Diese Möglichkeiten setzen allenfalls die WeblogbetreiberInnen ein, wenn Ihnen danach ist und wenn sie die Mühe auf sich nehmen wollen, zu einem großenteils anonymen Publikum zu sprechen/schreiben.

Die Studienhilfe, die kommunikative Schreibweise, die über Weblog als Studienunterstützung erlernt werden kann, kann auch im Seminarraum erworben werden. Im Grunde, aber vielleicht bin ich da zu konservativ, ist nicht unbedingt einzusehen, warum eine Diskussion und ein Gespräch über Projekte und Texte statt Face-to-Face im Seminarraum oder bei einer Tasse Tee plötzlich quasi-anonymisiert hinter Bildschirmen geführt werden soll.

Mir scheint das Weblog und das Blogging viel weniger sozial als vielmehr solitär zu sein. Denn auch der angestrebte Dialog ist von großen Pausen durchsetzt. Posten und antworten, reagieren und kritisieren erfolgt nicht als Schlagabtausch und im Zeichen spontaner Kreativität. Wer gut schreiben kann, auch im kommunikativ geführten Weblog, muss noch lange nicht gut reden und diskutieren können, beispielsweise.

Dem Weblog seinen Rahmen der Globalisierung - auch wenn dieser Begriff schon bis zum Ekel abgenutzt ist - zu nehmen, den Hintergrund einer breit gestreuten Community von WissensträgerInnen, die gerne mit-teilen möchten, ohne das Geld und die Geduld zu haben, dauernd durch die Welt zu fliegen, ohne die Energien aufbringen zu können, das unverbindliche Show-Off und das notwendige Networking auf Konferenzen auch noch produktiv zu gestalten, setzt ihm nur die Aura des Magischen auf. Es handelt sich hier aber m.E. um keine Technik, die dem Sozialen in engerem Rahmen vepflichtet sind. Was nicht heißt, dass sie "unsozial" wären. Auch wenn sie das partielle Schweigen gleichfalls erleichtern und viel eher als eine klassische Kommunikationssituation ermöglichen, Antworten schuldig zu bleiben. Auch in diesem Sinne: eine hervorragende Einrichtung!


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