Lívia Gyarmathy – Filmemacherin im sozialistischen Ungarn

posted by SHorváth on 2009/05/20 17:42

[ Dokumentarfilm - Documentary Film ]

Eine völlig in sich festgeklebte Welt... Lívia Gyarmathy – Filmemacherin
im sozialistischen Ungarn
lautet der Titel des Dokumentarfilms von Victoria Remetey (A 2009, Ungarisch mit dt. UT) über die außergewöhnliche, mehrfach preisgekrönte ungarische Regisseurin und Drehbuchautorin, der am 26. Mai um 19 Uhr im Schikaneder (Margaretenstraße 24, 1040 Wien) erstmals gezeigt wird.
Filmprojektion mit anschließendem Gespräch in Anwesenheit von Lívia Gyarmathy bei freiem Eintritt.

Nach mehreren Jahren Arbeitserfahrung als Chemikerin, beschließt Lívia Gyarmathy ihren Kittel ins Eck zu werfen und auf ein Zeitungsinserat zu reagieren: "Diplomierte Facharbeiter werden an der Hochschule für Theater- und Filmkunst erwartet“. Trotz anfänglicher Skepsis, wird sie 1961 als eine der ersten Frauen für das Fach Regie aufgenommen. In ihrem Debut-Spielfilm KENNEN SIE SONNTAG-MONTAG? (1968), verarbeitet Lívia Gyarmathy ihre Erfahrungen in der Textilfabrik und beschreibt die ungarische Gesellschaft als "eine völlig in sich festgeklebte Welt“. Zwar hätte man technologisch bereits das 20. Jahrhundert erreicht, die alltägliche Lebenswelt wäre aber unverändert geblieben. Auch in ihren nächsten Spiel- und Dokumentarfilmen ergründet sie die Wurzeln für das Scheitern des sozialistischen Projekts und gerät dabei in Konflikt mit der Zensur. Die Filmpolitik in Ungarn gilt zwar als eine der liberalsten im ehemaligen Ostblock, dennoch hat jede Gesellschaft ihre schwachen Punkte, ihre Wunden. Diese berührt die Regisseurin insbesondere mit ihrem Dokumentarfilm NEUNTER STOCK (1977) über die klebstoffschnüffelnde Jugend. Ebenso widmet sie sich der Roma-Frage sowie den "weißen Flecken“ in der ungarischen Geschichtsschreibung. Kurz vor der Wende realisiert Lívia Gyarmathy einen dreiteiligen Dokumentarfilm über das Zwangsarbeiterlager RECSK (1988). Die Auseinandersetzung mit den stalinistischen Verbrechen ist ihr ein besonderes Anliegen, da auch ihr Ehemann interniert war. Der Zerfall des sozialistischen Systems bedeutet für sie vor allem die Konfrontation mit neuen Beschreibungs-tabus, insbesondere im Sektor der Wirtschaftskriminalität.


Konzept/Schnitt: Victoria Remetey Kamera/Postproduktion: Gerald Patsch
Künstlerische Beratung: Julia Draxler Assistenz: Christian Kölnberger, Caroline Wimmer

Der Dokumentarfilm entstand im Rahmen des EU- Programms JUGEND IN AKTION in
Kooperation mit dem Schwerpunkt für Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für
Zeitgeschichte, Historisch- Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien.

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