Fiktion – Simulation – Imitation

posted by ush on 2009/10/16 09:33

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Das Tagungsprogramm der bevorstehenden Konferenz zu Fiktion - Simulation - Imitation | Fiction - Simulation - Imitation. Rethinking the (Literary) Net and the Conditions of the (Cultural) Web ist nun zusammengestellt.

Die Tagung findet am 23. und 24. Oktober 2009 im Filmarchiv Austria, Obere Augartenstr. 1e, 1020 Wien statt und wird von der Abt. für Vergleichende Europäische Sprach- und Literaturwissenschaft, dem Filmarchiv Austria und Kakanien revisited organisiert.

23. Oktober 2009, Studiokino Filmarchiv

17:00 – 17:15: Begrüßung

Panel 1 (Moderation: Thomas Ballhausen)

17:15 – 18:00 Norbert Bachleitner: Literarische Streifzüge durch das Internet

Abstract: In den gut zwanzig Jahren, die vergangen sind, seit Michael Joyce und einige andere Autoren mit ihren Hypertexten begannen, das Medium für die Kreation neuer literarischer Formen zu nutzen, hat sich die digitale Literatur rapide entwickelt. Neben einer Fülle immer aufwändigerer multimedialer Installationen sind insbesondere Formen von Interesse, die den Akt des Lesens thematisieren oder - in Anlehnung an die Möglichkeiten von "Web 2.0" - die Interaktivität forcieren.

Norbert Bachleitner, Ao. Prof. am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft, Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft, der Universität Wien; Schwerpunkte in Forschung und Lehre: Beziehungen zwischen englischer, französischer und deutscher Literatur, besonders vom 18. bis zum 20. Jahrhundert; Geschichte der literarischen Übersetzung; der moderne Roman; digitale Literatur; Sozialgeschichte der Literatur, bes. Buchhandelsgeschichte des 19. Jahrhunderts und Zensur. Näheres unter http://www.univie.ac.at/comp-lit/institut_bachleitner.html,  Kontakt: norbert.bachleitner@univie.ac.at
 

18:00-18:45 Stefan Zahlmann: Game 2.0 - Grenzbereiche der interaktiven Nutzung des Webs am Beispiel des Schummelns im Computerspiel

Abstract: Der Vortrag stellt anhand des Beispiels des Computerspiels das Phänomen der Interaktivität unter dem Aspekt des Schummelns vor. Das Computerspiel wird hierbei zum einen als technische Aktualisierung des bereits an sich interaktiven Mediums „Spiel“ verstanden, zum anderen als Medium zur virtuellen Auseinandersetzung mit menschlichen Lebenswelten. Das „Schummeln“ bedeutet einen Bruch mit den Regeln virtueller Interaktionen und soll im Vortrag in seiner doppelten Funktion als individueller reflexiver Umgang mit den Möglichkeiten und Grenzen des Spielens im Internet einerseits und als Beispiel für die Bandbreite der Formen der Nutzung und des Missbrauchs von Medien anderseits akzentuiert werden. Es wird im Vortrag jedoch nicht als konkrete technische Fallstudie vorgestellt, sondern als stets mitzudenkendes Prinzip des Umgangs von Menschen miteinander und mit Technik in virtuellen Interaktionssituationen. In negativer Deutung kann Schummeln als übersteigerter Drang des Menschen nach Glück, Erfolg und Kontrolle gedeutet werden; in positiver Lesart als Ausdruck menschlicher Kreativität und Intelligenz sowie dem Mut, sich in asynchron gegen das Individuum gerichteten Machtstrukturen durch die Kraft des eigenen Verstandes einen Vorteil zu erarbeiten.

Stefan Zahlmann, geb. 1968, Privatdozent an der Universität Konstanz. Studium der Geschichte in Münster. Dissertation zu Konfliktkulturen im Spielfilm der DDR und der BRD. Habilitation zu medialen Erinnerungskulturen an gesellschaftliches Scheitern am Beispiel der Südstaaten der USA nach 1865 und Ostdeutschlands nach 1989. Gastprofessor für Theorie und Geschichte medialer Kulturen am Institut für Geschichte der Universität Wien im Jahr 2008. Gegenwärtiges Forschungsprojekt am Exzellenzcluster der Universität Konstanz zu Medien von deutschen Migranten in den USA. Veröffentlichungen zur Körper- und Geschlechtergeschichte, zur Geschichte und Theorie moderner Massenmedien, zur Zeitgeschichte nach 1945 und zu den Animal Studies. Kontakt: stefanz@snafu.de

ab 18:45 Empfang

24. Oktober 2009 (11:00 – 17:00), Studiokino Filmarchiv

Panel 2 (Moderation: Ernst Grabovszki)

11:00 – 11:30 Ursula Reber: Fiktonäre VerDichtung in Leerräumen

Abstract: Die Verdichtung der Netzliteratur findet in verschiedenen Leer- und Zwischenräumen statt: zwischen Codesystemen, sensuellen Systemen, Lektüre- und Fiktionsdiskursen. Kurz und bündig, gleichzeitig verheißungsvoll und appellativ soll Netzliteratur, resp. Literatur im Netz sein. Netzliteratur erobert sich einen Raum zwischen verschiedenen Rhetoriken und zwischen verschiedenen semiotischen Systemen. Gerade die Lücken, die zwischen den Rhetoriken und Semiosen von Essay, Fachartikel, literarischer Narration und Markierung und Index werden für die Verdichtungsarbeit der Netzliteratur fruchtbar gemacht.

Ursula Reber, Studium der Germanistik, Latein, Philosophie, Religionswissenschaft, Indologie. Dissertation: Formenverschleifung. Zu einer Theorie der Metamorphose. Arbeit als Redakteurin, Projektkoordinatorin, Uni-Lektorin und in verschiedenen Bibliotheken; Mitarbeit bei div. wissenschaftlichen Projekten, Editor Kakanien revisited. Kontakt: usha.reber@kakanien.ac.at


11:30 – 12:00 Johannes Auer: Apfel, Algorithmus, Interaktion. 3 Schüsse ins Herz der Netzliteratur

Abstract: Alle digitale Technologie ist auf der symbolischen Ebene textbasiert (auch der 01 Code ist, wie der Morsecode ein Alphabet) werden durch Algorithmen gesteuert und sind in der Regel auf Interaktion mit Menschen konzipiert. Netzliteratur hat sich mit diesen Bedingungen ihres Mediums auseinanderzusetzen. Johannes Auer wird mit den Begriffen Codework, Handlungsanweisung/Algorithmus und authentische Interaktion auf das Herz der Netzliteratur zielen und Beispiele aus seiner künstlerischen Praxis vor- und zur Diskussion stellen.

Johannes Auer, (Netz-)Künstler, lebt in Stuttgart. Zahlreiche, mehrfach ausgezeichnete Netzliteratur- und Netzkunstprojekte. Zahlreiche Ausstellungen und Kunstaktionen in verschiedenen Ländern. Produktionen im Schnittfeld von Netzliteratur und Radio für Ö1 Kunstradio, Radio Copernicus und RadioRevolten. Theoretische Texte zu Netzliteratur und -kunst. Herausgeber von netzliteratur.net und stuttgarter-schule.de. Kurator des jährlichen Netzliteraturfestival Literatur und Strom im Literaturhaus Stuttgart. Lehrauftrag an der Merz Akademie Stuttgart. http://auer.netzliteratur.net, Kontakt: auer@kunsttot.de


12:00 – 12:30 Marc Ries: Rendez-vous. Die Entdeckung der "amikalen" Schrift im Netz

Abstract: Meine Anmerkungen, mehr wäre unangemessen angesichts der sog. emergenten Qualitäten dieses Feldes, werden das postalische Rendez-vous »als Dis-Position (Dispersion und Disparität)« (Nancy), wie es sich im Medium der Postkarte initialisierte und mit Duchamp in der gleichnamigen Arbeit als einer der wirkmächtigsten Taktiken moderner Kunst deklarierte, als grundlegend für ein genaues Verständnis des Web 2.0 im Sinne eines »sozialen ready-mades« umkreisen. Dabei wird auf die eigentümliche Metamorphose der technischen Schrift von einer autoritär-autoren-zentrierten zu einer indifferent-polymorph-amikalen¬ im Netzgebrauch hinzuweisen sein.

Marc Ries, Promotion am Institut für Philosophie der Universität Wien, seit 1989 Lehre, Projekte und Publikationen in den Bereichen Bild-Medien, Kultur, Architektur und Kunst. 1997 bis 2001 Leiter des Kunst- und Kulturproviders THE THING Vienna [http://thing.at]. Vertretungsprofessuren an der F.-Schiller-Universität Jena (2000-2001), der Hochschule für Graphik und Buchkunst [HGB] Leipzig (2005-2009), ab Wintersemester 2009/10 an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. 2009 Konzept und Co-Kurator der Ausstellung talk.talk Das Interview als ästhetische Praxis Leipzig/Graz/Salzburg. Ausgewählte Publikationen: Medienkulturen, Wien 2002, Mitherausgabe: DATING.21 Liebesorganisation und Verabredungskulturen, Bielefeld 2007. Kontakt: mr@marcries.net

12:30 – 14:30 Mittagspause

Panel 3 (Moderation: Sandra Vlasta)

14:30 – 15:00 Ines Birkhan: I dont like the internet, but the internet likes me!

Abstract: Ines Birkhan wird über die literarische Dimension des transmedialen Projekts Angel Meat sprechen, an dem sie gerade, zusammen mit Bertram Dhellemmes, während eines Aufenthaltsstipendiums in Schloss Solitude arbeitet. Angel Meat baut Schritt für Schritt ein Multiversum auf, welches auf verschiedenen fiktionalen Ebenen interagiert. Dabei werden unterschiedliche Medien verwendet - Text, Tanz, Performance, Musik, Video, Internet – damit werden die wachsenden Handlungsstränge, ästhetischen Konturgebungen und Charakterisierungen der ProtagonistInnen in Fiktion und Realität verknüpft. Die Präsentation wird den status quo projektbezogener Literaturblogs umreißen und erste Erfahrungen damit besprechen. Ines Birkhan verwendet das www als Werkzeug, es ist für sie eine „verschwommene Zone zwischen Fiktion und Existenz, mit der es sich zu spielen lohnt.“

Ines Birkhan, 1974 in Wien geboren, studierte zunächst Bildhauerei an der SNDO (School for New Dance Development) in Amsterdam und ist seither als Tänzerin, Performerin, Choreographin in Europa tätig. Seit etwa fünf Jahren beschäftigt Sie sich auch intensiv mit dem Verfassen literarischer Texte. So entstanden Lied- und Performancetexte, mehrere Kurzgeschichten und ein Roman. Kontakt: ines.birkhan@free.fr


15:00 – 15:30 Thomas Ballhausen: Mit Arachnes Kunst und Penelopes Geduld... Das Archiv als Konzept gelebter Vernetzung

Abstract: Archivsystem und Erinnerungsdiskurs bedingen einander, erlauben die Verlebendigung des Bewahrten und die konstruktive Auseinandersetzung mit historischen Materialien. Immer der wissenschaftlichen Ethik als auch der Öffentlichkeit verpflichtet, muss der lebendige Kreislauf archivspezifischer Arbeit – von der Akquisition über die Erschließung hin bis zur (Wieder)Veröffentlichung – auf Nachhaltigkeit und Sensibilisierung ausgerichtet sein. Archive, insbesondere die Medienarchive, könnten mit ihrer spezifischen theoretischen Grundlage und deren praktischer Umsetzung – show & tell als ernstgemeintes Motto eines Programms aus Sensibilisierung und Kontextualisierung – als differenzschaffende Scharnierelemente des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses wirken. Im Rahmen des Vortrags werden die Aufgaben der AV-Archive anhand zahlreicher Beispiele reflektiert, die bisherigen Angebote kritisch untersucht und neue Initiativen vorgestellt, die zu einer (Wieder)Entdeckung des europäischen Filmerbes einladen.

Thomas Ballhausen, (*1975/Wien), Autor, Film- und Literaturwissenschaftler. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Filmarchiv Austria, Lehrbeauftragter an der Universität Wien. Tätigkeiten als Kurator, Herausgeber und Mitarbeiter mehrerer literatur- und filmspezifischer Projekte, Koordinator eines laufenden europäischen Forschungsprojekts zur Aufbereitung und Verbreitung digitalisierter Archivbestände. Mehrere selbständige wissenschaftliche Publikationen, u.a.: Kontext und Prozess. Einführung in eine medienübergreifende Quellenkunde (2005), Delirium und Ekstase. Die Aktualität des Monströsen (2008). Kontakt: t.ballhausen@filmarchiv.at

15:30 – 16:00 Kaffeepause

Panel 4 (Moderation: Ursula Reber)

16:00 – 16:30 Lorenz Aggermann: Virtuelle Netze und ihre Spuren auf dem Bühnenboden

Abstract: Unter dem Titel »Virtuelle Netze und ihre Spuren auf dem Bühnenboden« äußert der Vortrag von Lorenz Aggermann einige Gedanken zum Netz als Grundmodell in Aufführungspraxis,
Neurowissenschaft und Kulturtheorie. Ausgehend von jenen Terminen, welche die beleuchteten Stellen auf dem Bühnenboden markieren, den richtigen Ablauf einer Szene gewährleisten und für den Fortgang einer Aufführung unabdingbar sind, werden in weiterer Folge neurobiologische Modelle thematisiert, welche den Übergang von Reiz zu Verhalten beschreiben und somit eine Theorie des Gedächtnisses bereitstellen. Die Termine und Reihen der neurobiologischen Modelle beschränken sich jedoch nicht nur auf das Subjekt, sondern lassen sich auch im Hinblick auf ein kollektives Gedächtnis nutzbar machen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des öffentlichen, urbanen Raums, der mit seinen Knotenpunkten ebenfalls die Struktur eines Geflechtes aufweist und somit gewisse Abläufe markiert, ja regelrecht vorgibt. Als ästhetische und kreative Praxis ist es dem Theater wiederum möglich, diese Netze mitsamt den darin angelegten Szenen zu dechiffrieren und dekonstruieren, wie abschließend anhand der Performance »Call Cutta« gezeigt wird. Dieses Beispiel soll zudem das eingangs eher metatheoretische Verständnis von »Netz« in eine praktische Dimension überführen und die konkreten Möglichkeiten des www für die Theaterpraxis illustrieren.

Lorenz Aggermann, geb. 1977; Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und europäischen Ethnologie in Wien und Berlin; war während und nach dem Studium als Dramaturg im Bereich Musiktheater tätig und hält derzeit eine Stelle als Assistent am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern. Hat neben diversen Programmheften noch Rezensionen und kleinere Artikel für kolik, skug, taz und die Zeit geschrieben. Kontakt: aggermann@itw.unibe.ch


16:30 – 17:00 Ernst Grabovski: Das Netz und die Diktatur. Anmerkungen zum Social Web in totalitären Systemen

Abstract: Eine Eigenschaft von Netzen ist ihre schiere Grenzenlosigkeit. Einfache Netzstrukturen zeichnen sich durch die Möglichkeit der Fortsetzung ihrer Relationen ins Unendliche aus. Eine solche Struktur ist mit dem politischen System einer Diktatur nur dann in Einklang zu bringen, wenn das Netz an bestimmten Stellen endet, nämlich dort, wo eine abgegrenzte Struktur innerhalb des Netzes Machterhaltung garantieren kann. Dieser Beitrag geht der Frage nach, inwieweit WWW/Web 2.0 Diktaturen der Gegenwart in ihrem Bemühen um Systemerhaltung fördert oder zuwiderläuft.

Ernst Grabovszki, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Germanistik in Wien, Lehrbeauftragter am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft, Senior Press/PR im Verlag SpringerWienNewYork, Habilitationsprojekt "Rezeption fremdsprachiger Literatur in Zeitungen und Zeitschriften der DDR", freier Autor für Zeitungen und Hörfunk, Chef des Verlags danzig & unfried (www.danzigunfried.com). Kontakt: ernst.grabovszki@univie.ac.at


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Editor

Einblicke in Editor's Welt. Interessiert an Geisteswissenschaften, staunend über Medien, Tendenz zum Bizzarren, vor allem in der Literatur. Über Anregungen, Kritiken, Kommentare freuen sich Usha Reber (editor@kakanien.ac.at und János Békési (webmaster@kakanien.ac.at).
The workshop Balkan Studies - quo vadis? is held on April 25, 2009.

Venue: HS, Inst. Slawistik, AAKH / Campus
The programme is to be found here, the abstracts are available as Balkan Studies 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, and as pdf.
Ort: HS, IOG, AAKH, Spitalgasse 2, 1090 Wien
Zeit: 2. bis 4. April 2009
Veranstalter: IOG, Kk.rev
Funding: Fritz-Thyssen-Stiftung, Köln

Programm, Abstracts (.pdf)
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