Ulrich Herb

Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Referent für elektronisches Publizieren, elektronische Archive und Open Access
http://www.sulb.uni-saarland.de/de/service/publiktationsangebote/
Email: u.herb@sulb.uni-saarland.de

 

Open Access revisited: Wissenschaftsaltuismus oder alter Wein in neuen Schläuchen?

 

Argumente, mit denen die Forderung nach Open Access untermauert wird, sind

  1. wissenschaftslogisch konnotiert: Durch beschleunigten und technisch niedrigschwelligen Austausch wird eine Ubiquität wissenschaftlicher Informationen postuliert.
  2. finanziell konnotiert: Durch den entgeltfreien Zugriff auf Informationen wird eine Abschwächung der so genannten Zeitschriftenkrise postuliert.
  3. sozial- bzw. entwicklungspolitisch konnotiert: Durch den entgeltfreien Zugriff auf Informationen wird zusätzlich die Verringerung des Digital Divide postuliert.
  4. demokratietheoretisch konnotiert: Implizit wird eine demokratisierende Wirkung durch Nivellierung der Zugangschancen zu relevanten Ressourcen in unseren so bezeichneten Informationsgesellschaften angenommen.  

Diese Argumente verknüpfen Open Access mit dem Begriffsensemble Offenheit - Netzwerk - Globalisierung. Überdies wird die Publikationsoption Open Access mit einem prosozialen Anspruch versehen, der über das Phänomen wissenschaftlicher Kommunikation hinausgeht.

Vor diesem Hintergrund sind unter anderem folgende Fragen von Interesse:

  1. Hat der offene und selbstlose Austausch von Informationen für Wissenschaftler wirklich Priorität? Oder verfolgen sie eine janusköpfige Strategie des Informationsaustauschs?
  2. Macht die reine Verfügbarkeit von Informationen in Datennetzen diese wirklich ubiquitär verfügbar und nutzbar und hat sie nivellierende Wirkung? Oder leiten sich solche Statements aus einer modernen Sozialutopie ab und schreiben diese fort?
  3. Ist die kostenlose Weitergabe von Informationen an andere selbstlos zum Vorteil der als benachteiligt titulierten Gruppen bzw. Länder? Oder transportiert Open Access Ethnozentrismen?

Theoretischer Hintergrund
Pierre Bourdieus Feldtheorie inklusive seiner Beschreibung des wissenschaftlichen Feldes und des darin zirkulierenden Kapitals ermöglicht eine Abschätzung der Wirksamkeit von Open Access innerhalb der Wissenschaftskommunikation. Zudem gibt sie Hinweise auf den Stellewert der angenommenen Offenheit innerhalb der Wissenschaftskommunikation. Foucaults Diskursanalyse kann Setzungen und Dogmata der Digital-Divide-Argumentation offen legen, ferner gibt sie die Möglichkeit, Verbindungen zwischen Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftstheorie zu skizzieren. Darüber hinaus kann eine soziologische Betrachtung den Gehalt des Begriffs Informationsgesellschaft und das Verhältnis von offenem Zugang zu Informationen und Demokratie umreißen.

Link zum Fulltext: http://www.kakanien.ac.at/beitr/theorie/UHerb1.pdf


 

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